Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1855)
- Article
- Thischri
- Date
- 1855-10-01
- Page
- 22 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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22 Thischrt. ihr Umgang sie in menschengesellschaftliche Berührung gebracht — haben ihr ״Nehmen und Geben" im Gewerbe, ihre Pflichtleistungen im Berufe gezählt und geprüft und gewogen, vor Gott gewogen, ob sie Keinem Unrecht gethan, Keinen verkürzt, Keinem vorenthalten, was vor Gott ihm gebührt; ob sie kein fluchbeladenes Gut unier ihre Güter, keinen thränenbenetzten Pfennig unter ihre Habe zählen; ob kein Seufzer eines gekränkten Uebervortheilten, Ueberlisteten haftet an ihrem Besitz, ob sie gerecht und redlich und wahr und gerade überall und gegen Jeden gewesen, wie der Name Jeschurun, den sie tragen, von ihnen heischt; ob es ihnen vorgeschwebt täglich und stündlich: כי תועבת ד' כל עושה אלה בל עושה עול? Sie haben ihre Worte geprüft, die ihr geistiges Band gebildet und ihre geistigen Wirkungen getragen im Kreise der Menschen, ob sie Keinen beleidigt, Keinen gekränkt, Keinen beschämt, Keines Ehre geschmälert, Keines Namen herabgewürdigt; ob ihnen die Ehre und der Friede, das Glück und das Heil und die Bravheit der Brüder theuer gewesen und sie nicht mit Worten dem Tauben geflucht oder einen Stein des Anstoßes in den Weg des Blinden geworfen? Sie haben ihre Worte und Handlungen geprüft in ihrem Zusammenleben mit den Menschenbrüdern und haben sich gefragt, ob sie sich auch überall als Boten der Liebe bewährt, ob sie auch die Versöhnlichkeit und die Milde, die Barmherzigkeit und hülfsthätige Menschenliebe geübt, die nicht nur den kalten Pfennig, die auch das warme Herz und die lebendige That zu bringen weiß für das Heil der leidenden Brüder, die nicht stille steht, wo die Noth um Hülfe schreit, die nicht Richter ist, wo sie Helfer sein soll, die nicht wartet bis der Bruder zu Boden liegt, die herbeispringt und aufrechthält, damit er nicht falle, die sich von keiner modernen Anschauung und keiner engherzigen Berechnung das alte jüdische Herz rauben und den alten jüdischen Gottesruf ersticken läßt, der zu uns spricht: מה הוא רחום אף אחה ח־וום — tote euer Gott barmherzig ist, so seid auch ihr barmherzig! — Alles dies und noch viel mehr haben sie sich gefragt, und wo sie gefunden, daß sie voll dem Rechte gewichen und in der Liebe zu kurz geblieben, da haben sie nicht geruht, haben ״das Unrecht aus ihren Hütten entfernt", haben den unrecht erworbenen Pfennig zurückgegeben, das Vorenthalten« ausgehändigt, das Verkürzte erstattet, haben den Gekränk-