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Jeschurun · 1855-10-01 · Heft 1 (Oktober 1855) · p. 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1855-1856)
Issue
Heft 1 (Oktober 1855)
Article
Thischri
Date
1855-10-01
Page
9 (sequence 9)
Language
German
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9 Rosch Haschanah׳ jle gerathen. — Und wie eine Zeit der Sühne, so eine Zeit des Friedens und der Freude,' denn שפח לא ירעחי אשמע, denn die Lippe des vorher uns Unbekannten spricht seitdem fort und fort zu uns das Wort, das uns frei machen will von Sünde, und frei machen will von Sorge, und ewig tont uns die Gottes-Mahnung:!הסירותי מסבל שכמו כפיו מחד תעברנה ״Weß Schulter ich von der Last befreit, deß Hände sollten von dem Kessel lassen!" Den Nacken frei hat uns Gott gemacht, im Herzen frei müssen wir uns selber machen! Was kann es nützen, daß Gott uns Mizrajims Joch vom Halse nahm, wenn Mtzrajims Fleischtöpfe noch immer unfern lüsternen Blick fesseln, wenn das Sklavenjoch uns nicht mehr drückt, wir aber mit Sclavenstnn noch nach dem Kessel greifen, und den von Gott in die Freiheit gerufenen Geist immer neu in den Dienst des Materialismus jochen! Die leibliche Freiheit ward von dem ersten jüdischen Neumond uns gebracht, die geistige Freiheit sollte mit jedem kommenden Neumond uns reifen. Die Freiheit des Nackens brachte uns der erste Neumond, zur Freiheit der Hände, des Strebens, des Besitzens, des Genießens soll jeder kommende Neumond uns erziehen. Denn wahrlich, wahrlich: weß Schulter Gott so wie uns frei gemacht, deß Hände sollten endlich von dem Kessel lassen! Wem so wie uns Gott nahe sich gezeigt, wer so wie wir die Gottcsallmacht kennt, wer so wie wir die Ohnmacht aller gottentfremdeten materiellen Großen und die siegende Kraft des Göttlichen erfahren, die sich selbst in dem Aermsten bewährt, der sollte endlich das Fleisch und den Fisch, den Lauch und die Zwiebel Mizrajims Andern lassen, der sollte endlich andere Gütcr, andere Genüsse kennen, und nach einem höheren Maßstabe die Zwecke seines Wollens und die Ziele seines Strebens schätzen, als nach dem, wie viel ihm davon — im Kessel brodelt! O, daß diese Neumondsmahnung uns endlich ganz ergriffe, daß sie vor Allem in einer Zeit mit der ganzen Allgewalt ihres Ernstes uns faßte, in welcher immer mehr und mehr in den Dienst des Materialismus das Geschlecht versinkt, immer mehr und mehr sich der Sinn für Alles verliert, was nicht die Würze sinnlichen ״Kessel"- Genusses verspricht, in welcher das köstlichste Liebesgeschenk Gottes, das dem Menschen inwohnende göttliche Licht, die geistige Erfor-

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