Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1855)
- Article
- Thischri
- Date
- 1855-10-01
- Page
- 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Thischri. daß für uns bann das ganze Jndenthnm eine — Leichenbittermiene annimmt, wir unter Jndenthnm nur Bußgcdankcn und Grabcsmahnungcn verstehen, uns die Poesie des Judenthums zu nichts als Selichoth und Widdujim, zu Elegien und Sündcnbckcnntnissen zusammenschrumpft, und alles Judcnthümlichc unö mit solcher Unhcimlichkeit anwcht, daß wir im Helle», frischen, heiter pulsirendcn Leben nichts damit anznfangen wissen und cS wie cs eine grämliche Dissonanz aus dem Conccrte des Lebens — streichen! Ach, daS Jndenthnm ist eine herrliche, fröhliche, heitere Lebenssymphonie der Schöpfung und Jahreszeiten, zu welcher Nosch Haschanah und Jom Kippur nur das introducirende Adagio bilden. Allein die Söhne unserer Zeit nehmen die Introduktion für'ö Ganze, hören immer nur die Introduktion, und haben somit ganz das Ohr vcrlorcn, selbst in diesem introducirendcn Gedanken-Adagio das schon durchschimmernde Lebcns-Allegretto hcrauszuhören. Kommt noch hinzu, daß sie eben mit dieser ihrer Buß- und Sterbe-Religion sich immer mehr den herrschenden Anschauungen einer Kirche nähern, deren Ideale allerdings meist nur den büßenden und sterbenden Menschen verherrlichen, so ist eö ja ganz natürlich, daß sie daS Astes ganz in der Ordnung finden und daß eine Wissenschaft, die bereits zu einer Küchcnmagd für den Hautgout des Zeitgeschmacks herabgewürdigt ist, für eine solche unjüdische Anschauung des Judenthums hinterdrein die historische Begründung shstcmatisch und genetisch nachzuweisen weiß. Ist ja das überlieferte Jndenthnm nichts anders, als ein Erzeugniß dcS Mittelalters, der düstere, finstere Scheiterhaufen und Ghcttikcrkcr bauenden Zeit! Was konnten auch die ghettigekerkcrten, flammentodstcrbcndcn Väter ihren Enkeln anders als Buß- und Grabesgedanken zum Vcrmechtniß hinterlassen! Daß aber vielmehr daS Jndenthnm, welches diese eingckerkerten und gemordeten Väter begeisterte, einen um so größer» unerschöpflichen, unverwüstliche» Fonds von fröhlichem, heitern, frischen Lebenöiimth müsse in sich getragen haben, weil sonst buchstäblich llNwIp בתיהם, die Ghettihütten ihre Gräber geworden und sie unter! der Wucht der gegen sie entfesselten mittelalterlichen Barbarei bis zur Vernichtung zu Grunde gegangen waren, und dieses frohe heitere judiflhe Leberiselement nun nur zu um so frischerer Entfaltung in