Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1855)
- Article
- Thischri
- Date
- 1855-10-01
- Page
- 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Thtschrt. S thums, bedurfte er der Beziehungen zum Göttlichen, bedurfte er dessen, was man heutzutage ״Religion" nennt. Nur in diesem Bewußtsein lebte er und bei jenen besonderen Zeiten und Ereignissen that sich'S nur kund, was ihn sein Lebelang beseelte, oder erhielten die Bande nur neue Frische und neue Kraft, die ihn sein Lebelang trugen. Es ift dies bei Vielen vielfach anders geworden. Es muß erst der Schofar am Jahresanfang tonen, um das jüdische Gefühl bet ihnen wach zu rufen, oder das Peßachfest mit feinem Frühlingswehen weckt Weihegefühle jüdischer Jugendcrinnerungen auf, oder das Leben mit seinen Freud- und Leidestagen, der Brautkranz oder das Trauergewand, der Gang zur Hochzeit oder — hinter der Bahre geliebter Eltern, der erste Schrei eines ihnen neugeborenen Kindes oder das letzte Zucken eines — gestorbenen, läßt ste die alten Institutionen der jüdischen Lehre und des jüdischen Lebens aufsuchen, läßt ste ihre Beziehungen zum Judenthume fühlen. Das ganze übrige Leben weiß wenig oder nichts davon, der ganze übrige volle Strom des Lebens bewegt sich in anderm Geleise, sucht seine Bedingungen und Begründungen in andern Motiven, seine Bedeutung und Vollendung in andern Zwecken. Das Judenthum ist zu kostbar oder zu fremd, um es sür's alltägliche Leben zu gebrauchen. Ja zumeist ist's auch nur die Eine Hälfte jener besonder« Zeiten und Ereignisse, die Söhne und Tochter Israels iu die Nähe des Judenthnms führt. Es sind zumeist nur die ernsten Tage und Die ernsten Ereignisse, die ein jüdisches Bewußtsein wecken. Der Nenjahrstag und der Tag der Versöhnung, der Ernst der Vergänglichkeit und —- deS Schnldbcwußtseins, und im Leben — der Tod, bilden noch am meisten Momente jüdischer Anziehungskraft; das Licht und das Leben und die Freude kleiden sich in andere Farben. Wir wollen nun nicht verkennen, daß selbst diese halhe Bekanntschaft noch ihr Erfreuliches hat. Wir freuen uns mit, wenn die jüdischen Zeitblätter diesseits und jenseits des Oceans im nächsten Monate berichten werden, wie gefüllt an den ימים נוראים, an den ernsten Tagen des jüdischen Jahresanfangs die Gotteshäuser gewesen, wie die gewöhnlichen Räume der Andacht für die Zahl der Andächtigen nicht ausgeretcht, wie man da so recht sehen konnte, welchen Boden das Judenthum noch in den Herzen seiner Bekenner habei*