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Jeschurun · 1855-09-01 · Heft 12 (September 1855) · p. Seite 657

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1854-1855)
Issue
Heft 12 (September 1855)
Article
Aus der Mappe eines wandernden Juden
Date
1855-09-01
Page
Seite 657 (sequence 4)
Language
German
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Aus der Mappe eine« wandernden Juden. 657 wisse, baß wir ihrer Leitung, ihrer Stütze bedürfe», sie aber nicht Leitung und Stütze von unfern ohnmächtig tastenden Händen zu erwarten brauche — — Und diese Ohnmacht, diese Schwäche, diese Unkultur, diese Zsolirnng, diese Vcrläugnnng, diese Entfremdung, diese eitle Thorhcit und thorichte Eitelkeit in die Pflanzstätten des künftigen Geschlechtes getragen, Kinderstuben, Pcnsionate, Semtnarien, Schulen, Predigten und Rabbinate von einer Atmosphäre dieser verschiedene», zusammenwirkcnden Miasmen erfüllt — und hinter diesem Allei« der eiserne Hetzstachel der immer drängender, immer romplieirtcr, immer schtvierigcr tvcrdcnden NahrimgSverhältniffc der Zeit, die die freie jüdische Briest nnd den freien jüdischen Geist immer mehr und mehr in den Sklcivendienst des härtesten MaterialiSmiis zwängen, das, kein Raum mehr bleibt für eine» freien Gedanken, «ind daS Herz nicht einmal mehr die Ahnung zu fasse» weiß eines freien pricstcrlichen Berufs — wo soll es hin, wo soll eS wieder kommen, wo soll eS auch mir eine rettende Zufluchtsstätte finden dieses alte pricsterltche Jndcnthvm «nit seinen das ganze Leben durchleuchtenden Uri«««, mit seine» das ganze Leben ditrchdringcndeu, den ganzen Menschen, daö volle Seyn fordernden Thumin«, — ach, bis auf die letzte Spur scheint cs aus dem Bewußtsein der Zeit zu schtvindcn, «vehrloS, machtlos, ohne Annehmer, ohne Träger steht eö schütz- und panzerloS dem ganzen Andrang aller feindseligen Elemente preiSgcgebene — die Gegenwart scheint dafür verloren, wo soll ihm die Zukunft werden??— — — Zn der trüben Stimmung dieses GcdankenzugeS traf mich Zhr Brief, und die Bitte, die er enthielt, fiel in so eigenthümlichcr Weise «nit dem Gegenstand, der mich beschäftigte, zusammen, die Erfüllung derselben verschaffte mir eine, nach meiner Art zu sehen, so treffende, für meine Art zu fühlen, so vollständig beruhigende, ja über alles Zagen hinaus freudig ermunternde und rrmuthigende Antwort meiner Frage, daß ich mich nicht des Versuchs enthalten konnte, auch Ihnen dir fre»«ndlichc Erwiederung Ihrer Bitte in dem ganzen Zusammenhang der Seelenstinimung zu geben, in welcher sic mich traf. Ob eS schon je einmal so trüb gewesen in Israel, ob schon je einmal Gottes heilige Stiftung so macht- und schutzlos, so verlassen auf Erden gewesen, — ob für eine so trostlose Gegenwart, für eine, wie

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