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Jeschurun · 1855-09-01 · Heft 12 (September 1855) · p. Seite 655

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1854-1855)
Issue
Heft 12 (September 1855)
Article
Aus der Mappe eines wandernden Juden
Date
1855-09-01
Page
Seite 655 (sequence 2)
Language
German
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Aus der Mappe cliu'$ wandernden Inden. 655 Zeit poor Tora’s Locken mit dein Abfall seine« Strvhdiadem« in der üchcrn Voraussetzung, ihre Bescheidenheit werde ihm selbst diese Splitter zurückreichen: „nicht un«, edler Lear, dir, dir allein die Krone!" Und diese Eitelkeit gilt, — diese Eitelkeit hätschelt, diese Eitelkeit duldet die Weisheit der jüdischen Welt! Ich sah die Wissenschaft, die jüdische Wissenschaft, diesen einzigen wahrhaftige» ewige» Juden, diese« einzige wahrhaftig ewig Lebendige ans Erden zu einem arosie», - grosie» geschichtlichen Kadaver herabgcwnrdigt und in allen Horsälen und Pflanzstätten jüdische» Wissen« und Leben« den Leichengift wehen über da« Messer sceirendcr und präparirendcr Weise». Ich habe da« Lebe», da« unjüdisch jüdische und — da« jüdische Leben gefragt. Dort sind schon längst die alten priesterliebe» Urim und Tlumim au« der eigenen Brust verloren gegangen, von Austen stammt die Parole de« Leben«. Auf den Zeitenstrom de« Weltlanf« hat man de» jüdischen Nachen gesetzt und jüdische Pilotenwrioheit ist'« worden, auf die jeweilige Farbe und Richtung der in alle Striche der Windrose rasch umspringenden Wetterfahne der Kirchcn-Politik de« Jahrhundert« zn schauen und behende die Segel einznstclle» und klng immer die entsprechende Farbe anfznhissen, damit man immer mit günstigem Winde steuere und immer unter befreundeter Flagge fahre. Hier wohnt der Schmerz »nd die Trauer, da« Gefühl der Vereinsamung und der Ohnmacht, hier mangelt die Erkcnntniß und die Einsicht und der frische, fröhliche Mnth und da« lebendige Vertrauen ans die weltbczwingende Kraft der alten Urim und Thiimim. Auf den Fel« der Vergangenheit haben sich die Reinsten geflüchtet, zu dem hinan die brandenden Wogen der Gegenwart nicht reichen. Aber sich muthig in die Brandung der Zeit zn stürzen, unter der alten Flagge in die junge Fluth de« Tag« zu steuern, den alten Urim und Thumim auch al« sicherem Evmpast für die frischste Lebcnsfahrt in alle Zukunft zu vertraue«,, mit der Gotteökraft der alten Urim und Thumim die Wogen der Zeit zu bezwingen, daran verzweifeln sie selbst und drücken mit ihrer Jsolimng selbst de» letzten Stenipel auf den Frcipasi de« Geschlecht« de« Tage«, da« sich für seine Fahrt durchs Leben »ach einem andern Logbuch umgeschaut. Viele stehen am Ufer und haben nicht einmal den Math und die Kraft, die eigenen Kinder zn sich auf den eigenen Boden zu retten. Viele

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