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Jeschurun · 1855-08-01 · Heft 11 (August 1855) · p. 604

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1854-1855)
Issue
Heft 11 (August 1855)
Article
Federzeichnungen
Date
1855-08-01
Page
604 (sequence 2)
Language
German
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604 Federzeichnungen. vor einem Folianten — ein kleines Ocllämpchen erhellt die bescheidenen Räume — an der kahlen, weifte» Wand ein ״Mögen Do- •wid“, von der Decke herab eine ״Schabbeslampe" mit sieden Zinkcn, — im Zimmer einige hölzerne Stühle, ein langer Lisch, ein Bett. — Der Alte liest eifrig im Luche, lesen kann man eö nicht nennen, er redet aus dem Buche, spricht mit dem Buche, — sich', wie sein Auge leucktct, wie cs ihn anrcgt — seine Gesticulationen — was ist'ö, daS ihn in seinem Stübchen so hinrcißt? der ״trokkenc", ״spitzfindige" Talmud. — Die Stnbcnthür öffnet sich, ei» schwarzäugiger Lockenkopf läuft auf den Alten zu und ist bald ans dcö Großvaters Schooß. Cr sprick't, sein Grosivater neigt sich »ieder, besser zu hören. Ich lege meinen Kopf dickt an die Fensterscheibe — בידך אפקיר vernehme ich zuletzt — der Alte drückt einen Kuß auf die blühenden Lippen — der Kleine eilt weg — der Alte wendet sich wieder zum Buche. Wiederum öffnet sich die Thürc. Eine junge Frau, einen großen Packen untcr'm Arme, tritt herein. Sie legt den Packen ab, küßt dem Alten die Hände. ״Gute Geschäfte gemacht?" 'S soll besser kommen, sagt sie, und fügt hinzu ״Moses noch nicht zu Hanse". Der Alte sckürtelt den Kopf, seine Schwiegertochter geht binaus. — Bald darauf geht zum dritten Male die Thürc; ein junger, rüstiger Mann, ebenfalls mit einem Packen, kommt bcrei». ״Guten Abend! wie geht'S, Vater leben? Sara schon heim?" Die junge Frau kommt mit Schüssel und Tellern; der Mann ihr entgegen; Packen nno Gcmoro werden bei Seite gelegt — man wäsckt sick die Hände und die drei Menschen setzen sich an den Tisch zum frugale» Äbendmalc. Liebe und Friede scheinen hier zu wohnen. Gern schaute ick nock länger in das bcschcidcnc Stübchen; doch ich will heute Abend nock mehr sehen. Ich schlendere weiter durch die unregelmäßigen Gassen. Ich schaue in manche Häuser — Armnth und Elend — ein bleickcS, abgczehrtes Weib, schmutzige, elend anösehcndc Kinder. Hier ein betrunkencr Mann in die Stube taumelnd, dort ein blasser, kranker Mann zn Frau und Kinder heimkchrend. Und neben diesen dunkeln Haus-- chen, wo Noth und Elend ihre» Wohnplatz aufgeschlagen, auch hier und da ein Helles Haus. —- Hier wohnt nicht das Elend — Inbel» und Jodeln vermischt sick mit den verstimmte» Tönen einer Cither — Arbeiter sitzen um die Tische — Gläser werden geleert

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