Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 11 (August 1855)
- Article
- Federzeichnungen
- Date
- 1855-08-01
- Page
- 603 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Federzeichnungen. Juli 1866. , . , k. Wenn Andere große Reisen unternehmen und sich und unS durch vielbändige Reisebeschreibungcn oder Rctscskizzcn und Handbücher mit Goldschnitt belehren und unterhalten, bin ich der Meinung, daß man nicht immer in weiter Ferne seine Erfahrungen suchen müsse, daß vielmehr ganz nahe bet uns ein so reiches Feld sich der Erfahrung darbiete, daß man nur seine vier Pfähle zu verlassen habe, and ohne Compaß und Karte, ohne Reiseführer und Begleiter — nur mit offenem Sinne, offenen Augen und offenem Herzen zu wandern brauche, um einen Erfahrungsschatz mit heim zu führen, von dessen Neichthum so mancher Weltumsegler und Tourist gar keine .Ahnung hat. — Zch habe viele solcher Touren gemacht, ohne beinahe das Weichbild meiner Vaterstadt je überschritten z» haben; und auch noch jetzt, wo ich bereits grau und alt geworden, gehören dergleichen Ausflüge zu meinen täglichen Brschäftigungen. Mein Wanderziel ist Erfahrung; der Weg dazu führt durch Straßen und Gassen, Häuser und Schlösser, Cafäs und Restaurationen, Theater und Conzcrte, Synagogen und Schulen, Gemeindestuben und Elubs, Gcrichtssälc und Comptoirs — überall mache ich Rast, sehe Alles, spreche wenig, denke viel. Wer mich aus diescn Touren begleiten will, den beiße ich herzlich willkommen; er wird cS hoffentlich nicht bereuen. — Biegen wir gleich hier um die Ecke. Wir befinden uns in der Vorstadt . . . ., von Fabrikarbeitern und kleinen Handwerkern bewobnt. Sehen Sie daS kleine Häuschen da? Einen Blick hinein. Ein ehrwürdiger, alter Mann