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Jeschurun · 1855-08-01 · Heft 11 (August 1855) · p. 583

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1854-1855)
Issue
Heft 11 (August 1855)
Article
Jüdische Gemeindezustände in Kurhessen
Date
1855-08-01
Page
583 (sequence 5)
Language
German
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Zweiter Artikel. 583 Welchen Wahlkörper sie geschaffen? Gar keinen haben sie geschaffen. Einen Mann, Einen Einzelne» Mann in jedem Kreise, den KrciSvorsteher, bekleiden sic mit der großen Prärogative für die Gemeinden seines Kreises die Aeltcstcn zu wählen!!! (§. 4 der Verordn, vom 30. Dccembcr 1823). Also Ein!Mensch, der mit dem besten Willen doch einseitig, der nach der menschlichen Natur jedem Einfluß, jeder Einflüsterung,(,jeder Parthcimachination zugänglich sein kann, und der noch dazu nicht einmal an dem Orte der Gemeinde wohnt, für welche er die Aeltcstcn zu wählen hat, der also ein Engel sein muß, wenn er die Interessen der Gemeinde gleich den seinigen beherzigen und ein Gott, wenn er die Persönlichkeiten der Männer seiner Wahl durch und durch kennen soll, ein solcher einzelner, fremder Mensch giebt der Gemeinde des Herrn ihre Häupter! Die Wahl wird vollzogen und, nach Genehmigung deö Kreisrathcs, der Gemeinde einfach notificirt. (ebendas.) Diese Bestimmung ist die erste und, wie nnS scheint, größte Abnormität, der wir in dieser Gcmeindcverfassung begegnen. Wir bekennen es laut, wir können uns keinen großer» Hohn als den denken, der in dieser einzigen Bestimmung liegt. Wir glauben es kaum, daß irgendwo auf Erden, und gehe man zu den Huronen in den Wäldern Ainerika'S, noch eine Ordnung zu finden sei, die also mit dem Rechte und dem Wohle ihrer Commune spiele, und einem einzigen Menschen eine solche Machtvollkommenheit crthcile. Und wer ist dieser Man», dieser Einzige in scincr Machtvollkommenhcit? Wer ernennt ihn? Und ferner, mit welchem Vertrauen ist er sonst im Gebiete der Gemcindeängclcgcnheiten bekleidet, daß man ihm eine so beispiellose Prärogative einzuräumcu sich berechtigt halten konnte? Ernannt' wird er von — den Gcmcindcältcsten! (ebendas.) Er wählt die Aeltestcn, die Acltesten wählten ihn! Zst das nicht eine zweite Abnormität, die ebenfalls kaum ihres Gleichen haben mag? Wir wollen bei dieser Generatio aequiroca nicht fragen, wer von diesen beiden Gliedern denn daS prius, wollen nicht hier die alte Scherzfrage erneuen, wer denn früher war, daS Ei oder die Henne, — die Sacke ist zu bitterernst um zu scherzen. Aber daü Zollen wir fragen: Konnte man irgend eine Modalität geschickter

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