Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 11 (August 1855)
- Article
- Aw
- Date
- 1855-08-01
- Page
- Seite 570 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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Mentioned entities
- Homer 1× ep/1025156
OCR text
570 et w. und schätzen wir daS Alles ganz anders. Moses und Hesiod, David und Sappho, Deboras׳ und Tyrtäus, Zesaiaö »nd Homer, Delphi und Jerusalem, pythischcr Dreifuß und ChecubimallcrhciligstcS, Propheten und Orakel, Psalm und Elegie, Alles ruht unS fricdlich in Einer Gedankcnkapscl, Alles friedlich in Einem Gedankengrab, Alles hat einen und denselben menschliche» Ursprung, Alles eine, dieselbe, menschliche, — vergängliche, — vergangene — Bedeutung; alle Nebel sind zerronnen, — der Väter Thräne, der Väter Senfzer fällt — nicht unsere Brust mehr, — füllt unsere Bibliotheken auö, der Väter warnipulsircndcS Herz ist unsere Nationallitcratur geworden, Buchstabcnstaub ihr glühender LebcnSodcm, — wir lassen die alten Juden am השעה באב fasten, wir lassen die alten Juden Selichoth beten und Kinoth weinen, — dafür wissen wir aber weit besser als sie, in welchem Jahrhundert diese ״Dichter" geblüht, in welchem Versmaß diese Dichter ״gedichtet", an welcher Amme Brust diese Dichter als Säuglinge gesogen, tragen eine solche Verehrung für dieses jüdische Altcrthum im Herzen, daß wir allen Staub der Bibliotheken und Sammlungen anfstobcr», um ®c־: burtstag und Sterbetag der Verfasser zu erspähe» und ihre Leichenstcininschriftcn richtig zu registrircn und dafür zu.sorgen, daß nun, wo das alte Zudcnthum sichtlich zu Grabe geht, daS Andenken daran wenigstens in den Literaturgeschichten sich erhalte und von dem Immergrün, das jene Gräber umfriedigt, ein paar Blättchen auch unscre Gclehrtenschläfc zieren. --Unsere Väter, die Einfältigenk glaubten gar nicht an den Tod jener Verfasser, ihnen waren sic gar nicht gestorben, sie, ihr Lied, ihre Klage, ihr Trost, ihr Gebet lebte fort in der Brust jüdischer Tausende — mochten auf dem Leichcnackcr ihre Gedenksteine verwittern, jedes jüdische Herz war ihr Mausoleum und sicherte ihnen die hintedige Unsterblichkeit, dir sie einzig erstrebten, daß man über das Lied des Dichters, über das Gebet des Verfassers, über den Gedanken des Denkers vergaß, und was sie gedacht und gefühlt und geklagt und gesungen so lcbendigcs Nationaleigenthum ward, daß demgegenüber der nrsprüngliche, einzelne Sterbliche, das zufällige Organ, durch welches diese Nationalgefühlc, diese Nationalgedanken ihren Ausdruck gefunden, — in den Schatte» der Vergessenheit zurücktreten konnte. Ob sich diese Hingeschiedenen Geister freue» der literarischen