Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1855)
- Article
- Aus Hamburg
- Date
- 1855-07-01
- Page
- 561 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2932754-2932807-2932818-2938767--00774-2938822- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Aus Hamburg. 561 Enkeln bittere Früchte tragen soll, oder ob es sich vielleicht rationeller ans die frühere Trennung der Gcnicindc in drei ״Kehillas", die sich mit ihren Eifersüchteleien lächerlich genug gegcnüberstanden, zurückführen läsit', gewiß ist, daß sich ein elendes Eotericnwcscn in unsere Gemeinde eingcschlichen, daö sich nicht nach Prinzipien oder was dem ähnlich sieht, sondern nach einzelnen Persönlichkeiten, oder Instituten abtheilt. Soll etwas gemeinschaftlich unternommen werden, so sind erst hundert Antipathien, die die ״Klausleute" von den X-Leuten und diese von den V- und Z-Leuten trennen, zu überwinden; und wäre das Wichtigste in gemeinsamem Interesse zu erzielen, es würde ungcschehen bleiben, wenn das Unternehmen dem besonderen Interesse dieser oder jener Klaus, oder der Neigung des Herrn £, des Herrn U oder Z zuwider sein konnte. Zwar hat dieses so unbegründete und schädliche Partheiwcsen in den letzten Jahren bedeutend abgenommen; die Männer der Jetztzeit müssen sich noch recht gut der .Zeit erinnern könne», wo z. B. die ״Chachamlentc" und die ״Klausleute" und die ״Mcierleute" und wie die einzelnen Abthcilungen alle heißen mochten, sich einander fast so feindlich gegenüberstanden, als die Anhänger der Synagoge und des neue» Tempels, so daß an ein gemeinschaftliches Handel» nicht zu denke» war, obwohl das religiöse Interesse aller dieser Parteien ein vollkommen gcmeinschaftliches war. Hat sich dieses Nebel nun auch mit der Zeit und der fortgeschrittenen Bildung gemildert, so ist cs doch heute noch arg genug, um die ftörendsten Folgen herbetzuführen; zumal es bis jetzt keiner Persönlichkeit gelungen ist, eine große Masse von Anhängern um sich zu sammeln. Das sind denn die einzelnen Fähnlein, die Sie um unsere große gemeinschaftliche Fahne gruppirt sehen und daneben die zerstreuten Streiter, die sich auch den einzelnen Fähnlein nicht anschließen wollen, und von denen Jeder seinen eigenen Weg verfolgt. Ich kann daher meinen Bericht mit keiner eindringlicheren Mahnung an die Unfrigen schließen, als mit der Attinghausens. Könnte ich sie mit tausend Zungen in die Herzen meiner religiösen GesinnungSgenossen hinein predigen, daß ״Einigung" unser gemeinschaftliches Losungswort würbe, so würde ich mit den schönsten Hoffnungen auf die Zukunft unserer Gemeinde blicken« Denn, gestaltet dieses Loosungswort sich