Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1855)
- Article
- Aus der Mappe eines wandernden Juden
- Date
- 1855-07-01
- Page
- 543 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Au« der Mappe eines wandernden Juden. 548 Gegensatz zur Wahrbeit, bat der Wahrheit eben dieses diametral und rein Entgegenstebenden noch wenig geschadet, und wird ibr wenig schaden, Er geht an der Wirklichkeit selber zu Grunde. Nicht die, die daS Göttliche leugne», schaden dem Göttlichen, wohl aber die, die cs entstellen, die den einen reinen heiligen Gottcsgedanken, wie ihn die jüdische Lehre verkündet, und dem harmonisch die Himmel um uns mit der Himmel tu unS zujauckzen, die diesen Einen, freien, allmächtigen, über Astes hohen und über Alles nahen Gott der Liebe und des Erbarmens, des Rechts und der Gnade mit asterhand Heidntschen Träumen verquickt habe», daß seine Einheit keine Einheit und seine Gnade keine Gnade und sein Recht kein Recht und seine Liebe keine Liebe und feilte Allmacht keine Allmacht und seine Freibeit keine Freiheit mehr ist, und haben ihn herabgezogen ans seiner himmlischen Höhe und haben ihn verscheucht aus seiner menschlichen Nähe und haben das menschliche Herz gerissen von dem Herzen seines himmlischen Vaters und haben zwischen dem Menschen und seinem Vater eine Kluft geschaffen, auf daß damit Rann, sei für die Gebürten ihrer Träume und - für sic selbst und haben so den einen reinen, heiligen Gedanken ״Gott", dem alle Himmel um nnS und der Himmel in uns barmonisch zujauchzen, mit heidnische» Larven umkleidet, für welche stumm bleiben die Himnicl um uns und stumm der Himmel in der Menschenbrust. Und wie sie die Wahrhaftigkeit Gottes heidnisch verlarvt, also haben sie auch die Göttlichkeit des Mensche», die sie doch nicht leugnen, also geknickt nnd getrübt, daß auch seine Reinheit keine Reinheit und seine Freiheit keine Freiheit ntchr sei, er seine Reinheit und Freiheit, er seine Göttlichkeit an die Gewalt des ״Bösen" verspielt und cs eine Lüge sei, wenn der lastende Mund des jüdischen Kindes betet: ״Mein Gott, die Seele, die du mir gegeben, rein ist sie!" Sehen Sie, diese Entstellung und Trübung alles Göttlichen scheint mir weit gefährdender, als die Leugnung desselben. Ja sic ist eS, sic eben der Leugnung ein so leichtes Spiel bereitet, und ihr scheinbar Thür und Thor in so vielen Gcmüthcrn öffnet. Meinen Sic nicht, eS hätten sich bereits Tausende von Mcnschengemüthcrn mit Entrüstung gegen diesen Raub a,r ihres Herzens Heiligthum erhoben, hätten laut mit der Allgewalt der mit der Gewißheit alles Realen sich aufdringcndkn Wahrhaftigkeit alles wahrhaft Göttlichen, die Lüge der Beschränktheit in ihr Nichts