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Jeschurun · 1855-07-01 · Heft 10 (Juli 1855) · p. 539

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1854-1855)
Issue
Heft 10 (Juli 1855)
Article
Aus der Mappe eines wandernden Juden
Date
1855-07-01
Page
539 (sequence 3)
Language
German
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Aus der Mappe eines wandernden Juden. 539 Dunkel, der Mond siebt die Sonne, die die Erde nicht sieht und darum glänzt sein Angesicht, — und über die lichtberaubten irdischen Raume zieht das Heer der Sterne hin und jeder Stern winkt funkelnd den Trost hernieder: es giebt doch noch Licht, wenn Euch auch oer Schatten der eigenen Erde begräbt. Sehen Sie, seitdem der Schmerz in mir aufgegangen׳, den wir heute — den wir gestern — ist's ntä't eigen, dasi wir in der Nacht nicht wissen, wie wir den Moment der Gegenwart bezeichnen sollen, in der Schöpfung ist schon ״morgen" und in der Gesellschaft ist's noch ״gestern" — nun denn, seitdem ich mit dem Schmerz vertraut geworden, den wir im Gespräche berübrt, seitdem kann ich den Moud und die Sterne nicht sehen ohne zu denken, daß im Anblick dieses selbigen Mondes und dieser selbigen Sterne, im Anblicke dieses weltenbesäeten NachthimirielS schon vor Jahrtausenden ein gottbegeistertes jüdisches Gemütb für denselben Schmerz Trost gesucht und nicht nur Trost, sondern hoffende Zuversicht gefunden, und seine Hoffnung und seine Zuversicht auf den Klängen der Harfe in die Nacht der Jahrhunderte hinauögcsuugen. Kennen Sie den herrlichen Nachtpsaun, der uns in den Anblick des monderleuchteten, sternbesäeten Nacbthimmels ruft und dort uns die Majestät des Schöpfers und die Kleinheit und Größe, die Niedrigkeit und Hoheit des Menschen in dieser vom Glanze der Gottesmajestät erfüllten Schöpfung schauen und beherzigen lehrt? Sehen Sie nicht, wie dieser Gott und die Göttlichkeit des Menschen feiernde Sänger schon des vollen, tiefen, schroffen Gegensatzes sich bewußt gewesen, wie David schon seinem und der Seinigen ־־ אדונינו von Gott und der göttlichen Hoheit deS Menschen durchdrungenen Bewußtsein gegenüber auch ganz wohl 'צוררי ד/ auch ganz wohl das Bewußtsein Derer kannte, die nicht nur dieses Bewußtsein von dem unsichtbaren Gott und dem ebenso unsichtbaren den Menschen göttlich adelnden Gotteshauche' als Wahn und Thorheit belächeln, sondern die diesem ganzen Bewußtsein von dem unsichtbaren Gött-- lieben gram und feind entgegentreten und es als den Fluch und das Hemmniß ihres Lebcnsglnckes bekämpfen und niederzukämpfen vermeinen. Im Kampfe mit seinen Verleugnern und Feinden sah schon David die Huldigung deS Göttlichen in der Menschenbrust auf Erden, er wus,tc schon, das,: ,אמי נבל בלבו אין אלדים aber er sah auch den Sieg und sah auch das Ende dieses Kampfes, und

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