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Jeschurun · 1855-06-01 · Heft 9 (Juni 1855) · p. 486

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1854-1855)
Issue
Heft 9 (Juni 1855)
Article
Siwan
Date
1855-06-01
Page
486 (sequence 22)
Language
German
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486 Stwau. Hastigkeit der Neberliefcrnng derselben Väter, die uns zugleich mit dem schriftlichen auch daö mündliche Wort Gottcö überliefert? Haben uns die Väter mit dem Einen getäuscht, wie sollen sollen sic uns als Bürgen in dein Andern dienen?! Und siche, für die Wahrhaftigkeit und Wirklichkeit eines geschichtlichcn Faktums, eines in der Vergangenheit Geschehencn, gicbt's ja überall keinen andern Beweis, keine letzte Bürgschaft und Gewähr als die Zuversicht in treue Ucbcrliefcrung. Du kannst alle Urkunden und Denkmäler, alle inneren und äußeren Umstände combiniren und sprechen: cS verhält sich Alles so, daß man cs für wahrscheinlich, für nothwcndig und gewiß halten müsse, daß Dies oder Jenes geschehen. Daß aber nun daS, was dir als wahrscheinlich, als nothwendig, als gewiß erscheint, auch nun wirklich geschehen, ja, daß selbst die Urkunden und Denkmäler, aus denen du Solches erschlossen, ächt, daß das, waS du aus ihnen geschlossen, nun eine Thatsachc der Wirklichkeit, eine so wirkliche Thatsache sei, daß du für sie nun die volle Wirklichkeit deiner Gegenwart und die zu erhoffende Wirklichkeit deiner Zukunft cinsctzcn sollst, dafür kann dir einzig und allein die Zuversicht in treue Ueberliefcrung bürgen. Daß nun aber. die jüdische Ucberlicferung, diese auch in ihrer Art einzige, unvergleichliche Erscheinung, uns einzig und allein auf sich selber anweist, und jede direkte Beurkundung auö der ebenfalls uns von ihr, und nur von ihr übergebenen Schrift verschmähet — obgleich für den Tieferblickcndc» fast jedes Wort dieser Schrift die mündliche Neberlieferung vorauösctzt — das ist wiederum daS höchste und zuverlässigste Siegel ihrer Wahrhaftigkeit und Wirklichkeit, hoher und zuverlässiger als irgend eine mit sieben Siegeln verbriefte und besiegelte Urkünde. Denn daß in der Schrift keine direkte Vcrbricfuug der mündlichen Neberlieferung enthalten, und dennoch ein ganzes Volk, e^ne ganze Nation ihre'ganze geschichtliche Existenz von mehr als drei Jahrtausenden der Krhaltung und Befolgung dieser Ucberlicscrung freudig geopfert, das ist das glänzendste Zcugniß, wie tief alle diese Geschlechter herab von der Wahrhaftigkeit dieser Neberlieferung durchdrungen gewesen, wie überzeugt die Väter von der Wahrhaftigkeit dessen gewesen, was ihnen von den Vätern geworden, was sic den Söhnen überliefert, und waS sie selber mit ihrem ganzen

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