Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1855)
- Article
- Siwan
- Date
- 1855-06-01
- Page
- 481 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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6. Kult»-. 184 aufzunehmen, bei Leibe um keine Tonhöhe lauter als der Nachbar sprächen, hatten nicht Zeit darauf zu achten, daß jeder mit dieser geistige» Sclbstbearbeitnng auch im Takte mit dem Nachbar bliebe, noch viel weniger Zeit daran zu denken, was nun diese lebendtg erregte Selbstbearbeitung einer Menge für einen Eindruck ans den kalten, fremden, nicht mitbctenden Zuschauer machen würde. — Wohl mochte Mancher die seitsam laute Judenschule belächeln; aber er kannte nur die Dissonanz die seine Ohren traf, ohne die geistige Harmonte zu gewahren, die dieses gleichzeitige lebendige streben so ricler Geister und Herzen auf jeder Skale dcS Lebens und dcS Geschickes sich mit Einem Gedanken, Einem Gefühle zu durchdringcn und zu Einem einheitlichen Leben in Gott und vor Gott sich emporzuringen dem lauschenden Ohre, dem schauenden Auge ihres Gottes darbieten mußte; aber er sah nicht die Läuterung, die Kräftigung, den Lebensmuth und die Weihe der Kraft, die die Inden aus ihrer Jndenschule mit tn'S Leben hinüber nahmen, in welchem sie cs bewährten, daß sie wahrlich nicht vergebens ״in Schul" gewesen; aber er vergaß, daß die. ״Jndenschule" eben nichts anders sein wollte, sein solle als ״Schule," in welcher ein Jeder sich selbst vor Gott in die Lehre zu nehmen hatte, und eben als Schule eine andere Aufgabe zu lösen hat, als Theater und Schauspiel — und auch als Tempel und Kirchen anderer Kreise. Das ist freilich nunmehr anders geworden. Seitdem wir eine Religion und eine Theologie und auch einen ״Kultus" bekommen habenseitdem die einzige wahre jüdische Gvtteövcrehrung, die Erfüllung Seiner Thora, immer mehr und mehr aus dem Leben zu weichen begann, seitdem drängte man diejenigen unserer Institutionen in den Vordergrund, die mir Denjenigen anderer Kreise eine Achwlichkeit darboten, welche dort, in diesen andern Kreisen, fast dir Summe der ganzen Gottcsverehrung auömachen; mau nannte sie Kultus, und gab ihnen die überwiegende Bedeutung, die der nichtjüdische Kultus tu nichtjüdischen Kreisen genießt. Je weniger man Gott die einzige von Ihm geforderte Verehrung, .die Erfüllung seiner Thora im Leben, zollte, um so mehr