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Jeschurun · 1855-06-01 · Heft 9 (Juni 1855) · p. 480

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1854-1855)
Issue
Heft 9 (Juni 1855)
Article
Siwan
Date
1855-06-01
Page
480 (sequence 16)
Language
German
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480 S < « « n. und Erkennen deS göttlichen Willens für ein Gott verehrendes Leben geweihet sind. So lange daher man in Israel noch eine höhere Gottesverehrung als die durch Gottesdienst im Gottcshause kannte, so lange die Gottesvcrehrung nicht zu Ende war wenn man das Gotteshaus verließ, sondern die Gvttesrerehrung erst wahrhaft begann wenn man vom Gottcshause in'S Leben zurücktrat, so lange die Thora nicht in den Aron Hakkodesch gebannt, sondern in den Herzen und Hütten und im Leben Israels lebte, so lange verkannten und überschätzten unsere Väter nicht die Bedeutung und den Werth der Gotteshäuser, so lange 'legten sie nicht einen so unendlichen Werth auf den Eindruck, den daö Gotteshaus und der Gottesdienst auf Andere machte, sondern freuten sich der Frucht, die ihnen ini Gottcshause reifte, so lange schmückten sie nicht Gotteshaus und Gottesdienst wie ein Opfer heraus, das sie Gott darbrachtcn und dessen äußeres kostbares Gepränge den frommen Sinn des Darbringenden zu bezeugen hätte — sie kannten ganz andere Opfer, die sie in den heißen Kämpfen beö LebcnS und in dem stillen, Gott dienenden Wirken und Schaffen des ganzen leiblich geistigen StrcbcnS deS Einzel-, Familien- und Volkslebens zu vollbringen hatten, und an denen allein Gott sie erkennen wollte, daß sie die Seinen seien. Sie gingen n.cht in's Gotteshaus um zu singen, um — Gott ein Lied vorzusingen; sie gingen in'S Gotteshaus um mit Gott zu sprechen, oder vielmehr um Gott mit sich sprechen zu lassen, Gottes Worte, GotteS Menschenleben gestaltende Gedanken in sich neu zu beleben; es war eine Arbeit, die jeder an sich zu vollenden hatte, was ihn tn'ö GotteshanS rief, sich neu in den Quell des LebcnS zu tauchen, sein geistiges inneres Leben neu zu erfrischen, sein inneres geistiges Wachöthum neu zu fördern — שיחה geistiges WachSthmn nannten die Alten הפלה das Gebet, ״ שחוליםPflanzen" wollten sie sich, ihre Wurzeln befestigen im Gottcshause, aber die Blüthe und Frucht sollte ״draußen in den Vorhöfen", in der Umgebung, in dem Leben reifen, daö in dem Umkreis deS Gotteshauses Lu leben war. — Da hatte freilich ein Zeder zunächst mit sich zu thun, diese geistige Arbeit an sich zu vollenden, da hatten sie freilich nicht immer Zeit an den Nachbar zu denken, zu denken daran, daß sie nun auch daö Wort, daß sie zunächst an sich zu richten hatten, rS geistig in sich

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