Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1855)
- Article
- Siwan
- Date
- 1855-06-01
- Page
- 470 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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470 T t w a n. Und die Thora, die nicht aus der Brust der Sterblichen entsprungcn, die daS Wort dcö GortcS deö Himmels und dcr Erde an den Menschen ist, die von vorn herein so sehr die Culturstuse ihres Volkes überragte, daß sie seit bm mehr als drei tausend Jahren ihres Daseins noch nie eine Zeit dieses Volkes gehabt, die ihr ganz adäquat gewesen, in welcher sie bereits ihre׳ volle Vollendung und Wirklichkeit gefunden, die viclmebr daS über Jahrtausende hinaus hochaufgcstccktc Höhcziel ist, zu welcbcm dieses Volk durch alle Gänge seines Geschickes in Mitte aller Volker erzogen werden soll, — die diese Mangelhaftigkeit und Erziebungsbedüiftigkeit ihres Volkes von vornherein vorausgesetzt, ausgesprochen und voraus verkündet, — für deren Göttlichkeit und ״Einzigkeit" nichts daher also ewig zeugt, als eben der fortgesetzte, wiederholte Abfall, die fortgesetzten, wiedcrholtcn Kämpfe, in welchen diese Thora die ganze crfte Generation ihres Volkes den Untergang fhtbcii lassen, sich erst daö jüngcre Geschlecht zu ihrem Fortträgcr erwählen konnte und so auch noch heute fort und fort alle Geschlechter ihres Volkes überdauert und dcö künftigen Geschlechtes noch harret, das einst am Ziele der Tage für sie-vollends reif dastehc» wird, — diese Thora, die daher von vorn herein ihren außermcnschlichen Ursprung do- Lumen tirt, die daher keine Entwickelung und. keine Geschichte hat, deren Volk vielmehr allein eine Geschichte hat und dessen Geschichte eben nichts anderes ist, als die fortgesetzte Erziehung zu der unwandelbar ewige» Höhe dieser Thora, — diese Thorrr, die daher nichts gemein hat mit Allem was im Kreise der Menschen sonst mit dem Namen ״Religion" bezeichnet wird, diese Thora sollen wir gleichwohl ,,Religion" nennen, und sie mit diesem Namen in den Kreis menschengeschichtlicher Erscheinungen, in die sie nicht gehört, einreihen, und in deren Kreis man dann auch ihr mit der Frage begegnet: und du willst ewig dieselbe bleiben? alle Religionen verjüngen sich und schreiten fort mit dem Fortschritt der Völker, und nur die jüdische Religion will starr und immer die alte bleiben und sich den Ansichten einer erleuchtetern Zeit nicht fügen? u. s. w. u. s. w. Alle diese Fragen hätten Werth und Bedeutung, wenn die