Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1855)
- Article
- Jüdische Gemeindezustände in Kurhessen
- Date
- 1855-05-01
- Page
- 446 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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446 Jüdische GemcindezustLnde in Kurhkffen. zu vernichten, um auch das Zudcnthum der l0,000 auf das zu reducircn, was sie ״ihr Judcnthnm" nennen? Was hat der Staat, wenn er dies nicht beabsichtigt, hicgcgcn für Garantie, waS haben eie jüdischen Hciligthümer, was haben die Jude» gegen diese Gefahr für Sicherung und Gewähr? Wird nicht der Staat bei völliger Unkeuntniß der Sache und der Personen in de» allermeisten Fällen wider seinen Willen die traurigste» Mistgriffe »bun? Sich, es lernt der Staat, es lernen seine Träger von den jüdische» Staatsgenossen in der Regel nur die beiden Ausläufer, die beiden Enden der jüdischen Gesellschaft kennen. Der jüdische Bettler, der jüdische Hausirer einerseits, der jüdische Banguier, der jüdische Gelehrte andererseits, das sind die Typen, in welchen ihm die Jndcnhcit erscheint und dnrck welche er sich eine Vorstellung vom Judentbume bildet. Tie precairc Hülle des Einen findet er wenig einladend sich nach dem oft so edeln, sittlichgroßen Kern umzuschauen, den die ärmliche Erscheinung birgt, und deren Zudcnthum bleibt ibm von dem unangenehmen Eindrust unzertrennlich, den die oft bedauernswürdige Gestalt ihm gebracht. Der reiche Glanz, der geistige Schimmer der Andern trägt ibm Alles, nur nicht den jüdischen Geist und das jüdische Leben entgegen, zu einer glatten Spiegelfläche ist Alles abgeschliffen, in welcher der Staat nur sich selbst und seine eigene» Gestalten wicdererblickt und von dem ganzen Judenthum ist nichts übrig geblieben, als die dünne dunkle Schicht, die der Spiegelfläche zur nothwcndigen Folie dienen must. Durch die Einen lernt er das Zudcnthum bedauern; die Andern lehren cs ihn verachten. Wie soll er aust׳ eine Institution achten lernen, die er von den Wenigen ihrer Bekenner, die er der nähern Bekanntschaft würdig achtet, selbst verleugnet und verächtlich hinter den Rüchen geworfen sicht! Er weist es ja nicht, daß diese ״Wenigen" schon von dem Judenthum, das sie verleugnen und verachten, kaum noch ein Mchrcres als er selber kennen und wissen, er weiß cs nicht, daß er durch den traurigen Druck und die Absperrung, in welcher er Jahrhunderte lang seine jüdischen Genossen gehalten, bei dem sodann erfolgten Ucbergang, diese llnkeiintnist und diesen Abfall der sogenannten gebildeten Schichten der jüdischen Gesellschaft selber verschuldet, er kennt nicht die überwiegend große Mehrzahl des jüdischen Mittelstandes, diesen eigentlichen Kern der Judenheit, in deren Häusern, in deren Herzen, in deren Leben und Streben