Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1855)
- Article
- Aus der Mappe eines wandernden Juden
- Date
- 1855-05-01
- Page
- 433 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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Aus der Mappe eines wandernden Juden. 433 religiösen Heiltgthümer zu kränken, ja, werden im Nebermaß dieser Rücksicht selbst das ihnen Fremde, daS ihnen Bedeutungslose, ja das von ihnen geübt widersinnig Werdende, mitüben, um nur ja keinen Anstoß zu geben, und jeden Schein von Kränkung zu scheuchen. Aber lassen Sie einen ihrer alten jüdischen Brüder das ewige, die Menschheit erlösende Wort des Einigeinzigen, lassen Sie ihn in ihrer Gegenwart die Mcsusah küssen, lassen Sie ihn in ihrer Gegenwart sich Haupt und Hand und Herz mit dem Tfillinbande im Dienste Gottes weihen, lassen Sie ihn in ihrer Gegenwart sich Jerusalem im Gebete zuwenden, lassen Sie ihn in ihrer Gegenwart irgend eine Pflicht ihrer ja, wie seiner väterlichen Religion erfüllen, und recht geflissentlich werden sie ihre Nichtbitheiliguug zur Schau tragen, werden einen Stolz darin suchen, die heilige Sprache der Väter nicht mehr zu verstehen, die heilige Sitte der Väter nicht mehr zu üben, nicht mehr zu kennen — und unter hundert Fällen wird es neun und neunzigmal nicht ohne spöttelnde Kränkung enden. Toleranz wird das dritte Wort in ihrem Munde sein. Toleranz werben sie gegen jeden Menschen von jeder Farbe und jedem Glauben üben, Toleranz werden sie auch im eigenen Kreise für ihren Abfall vom väterlichen Judenthume fordern — wehe dem alten Juden, der seinem Schmerz über ihren Abfall mehr als einen stillen Seufzer gestattete! — das Zeitalter der Toleranz werden sie gerne ihr Jahrhundert nennen und sich als die erstgeborenen Söhne dieses toleranten Zeitalters rühmen — und werden doch bis zum Fanatismus blind die schnödeste, gefühlloseste Intoleranz gegen die eigenen Brüder üben, die noch mit gewissenhafter Treue Das fortfahren als Pflicht zu erkennen und als Pflicht zu üben und als beseligenden Schatz hoch und theuer zu achten, was auch ihre Väter als Pflicbt erkannt und geübt, und was auch ihre Väter im Leben und Sterben beseelt ׳und beseligt. Sind's doch nicht nur diese den Verkehr der Menschen bedtngenden Gcselligkeitspflichten, die Gesetze des Anstandes, der Schonung, der Milde, der humanen Achtung eines jeden Menschen mit allen seinen Eigenthümlichkeiten, gegen welche der Fanatismus der sögenannten ״Aufklärung" blind sein läßt, die innigsten, heiligsten Gefühle der Pietät und Menschlichkeit, die heiligen Flammen der Liebe und Ehrfurcht gegen Eltern sehen wir auf dem Altäre von