Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 7 (April 1855)
- Article
- Aus Hamburg
- Date
- 1855-04-01
- Page
- 395 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus Hamburg. 895 materiell so gestellt wissen, wie es einer großen, wohlhabenden Gemeinde zukommt, d. h., so daß ein Familienvater anständig von dem Gehalte leben könne; daS von den Vorstehern bestimmte Salarium von 2000 ist aber ein solches, wie eS die unverheiratheten Commis gewohnlicher Mittelhäuser erhalten und ohne übertrieben verschwenderisch zu sein auch häufig gebrauchen. Ein Hamburger Rabbiner hätte mit einem solchen Gehalte hungern müssen. DaS Wahlcomitö petitionirte dagegen, konnte aber die öffentliche Bekanntmachung des Aufrufs mit diesen Bedingungen nicht ntehr verhindern. Wir können um so mehr annehmen, daß sich aus solche Bedingungen keine bekannte, den Wünschen deS ComitöS genügende Persönlichkeit ge״ meldet habe und daß demzufolge erneuerte Vorstellungen deS WahlcomitöS stattgefunden haben müssen, da nach einigen Wochen der erste Aufruf deS Vorstandes znrückgenommen, und statt dessen eine erneuerte Aufforderung öffentlich bekannt gemacht wurde, in der der Titel in dem eines Oberrabbiners verändert und der Gehalt um 1000 VljjL erhöht war. Die sonstigen Bedingungen blieben im Wesentlichen dieselben. Mehr war nach den Versicherungen der Wahlmänner von dem Vorstande nicht zu erlangen. Aber auch diese Bedingungen werden ewig ein schwachvolles Zeugniß gegen die Vorsteher ablegen, die auf solche Weise daS Interesse und die Würde der Gemeinde rücksichStloS mit Füßen traten. Noch vor einigen Jahren kam es demselben Vorstande nicht darauf an, eine enorme Summe (man sagt 30,000 V$) für ein luxuriöses Gitter um den Begräbnißplatz aüSzugeben und jetzt wo für daS geistige Wohl deS Lebenden zu sorgen war, feilschten sie, als handelte eS sich um die Anschaffung eines LuxuSpferdeS. Wir haben eine zu große Meinung von der Einsicht deö Vorstandes, als daß wir glauben könnten, daß Täuschung und Unkenntniß denselben veranlaßt hatte, so zu handeln; die Absicht liegt vielmehr klar vor Augen; man wollte keinen Rabbiner wie die Gemeinde ihn verlangte und bedurfte. Aber auch die Gemeinde, jedes einzelne Mitglied derselben trifft der Vorwurf, daß sie sich das vom Vorstande ruhig bieten ließen. Von allen denen, die jetzt einen würdigen, braven Mann . mit Schmähungen und oft sehr ungerechten Kränkungen verfolgen, regte sich nicht Einer damals, um das zu verhindern, was daS blödeste Auge unter solchen Umständen als nothwendige Folge voraussehen mußte. Aber auch daS WahlcomitS, so wacker eS gekämpft