Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 7 (April 1855)
- Article
- Heinrich Heine [Rezension]
- Date
- 1855-04-01
- Page
- 382 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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382 Heinrich Heine. Eine Charakteristik deS Dichters und Menschen rc. ״sieht, ähnlich in Zorn unb Liebe. — Es wäre eine große Sünde, es ״wäre Antbropomorphismus *), wenn man eine solche Identität des ״Gottes unb seines Propheten annährne. Aber die Aebnlichkeit ist ״frappant! ״Ich batte Moses fncher nicht sonderlich geliebt; wahrscheinlich ״weil der hellenische Geist in mir vorwaltend war, und ich dem Ge-׳ ״seygeber der Inden seinen Haß gegen alle Bildlichkeit, gegen die ״Plastik, nicbt verzeibte. Ieb sab nicht, daß Moses, trotz seiner Be- ״feindung der Kunst, dennoch selbst ein großer Künstler war, und den ״wahren Künstlergeist besaß. Nur!rar dieser Künstlcrgeist bei ihm, ״wie bei seinen ägnptischen Landölcirten, nur auf das Colossale un& ״Unverwüstliche gerichtet. Aber nicht, wie die Egyptier, formirte er ״seine Kunstwerke aus Backstein und Granit, sondern er erbauete ״Menschenpnramiden, er meißelte Menschenobelioke; er nahm einen ״armen Hirtenstamm, und schuf daraus ein Volk, das ebenfalls den ״Jahrhunderten trotzet, sollte, ein großes, ewiges, heiliges Bolk, eilt ״Volk Gottes, das allen andern Völkern als Muster, das der gan- ״zen Menschheit als Prototyp dienen fomite: er sch ich Israel! ״Mit größerem Rechte, als der römische Dichter, darf jener Künstler, ״der Sohn Amrams und der Hebamme Iochebed, sich rühmen, ״ein Monument errichtet zu haben, das alle Bildungen aus Erz ״überdauern wird." ״Wie über den Werkmeister, habe ich .auch über das Werk, die ״Juden,' nie mit hinlänglicher Achtung gesprochen, gewiß wieder ״meines hellenischen Naturells wegen, dem der judäische Ascetismus ,,zuwider war. Meine Vorliebe für Hellas hat seitdem abgenommen. ״Ich sehe jetzt, die Griechen waren nur schöne Jünglinge; die Zu- ״den aber waren immer Männer, nicht bloß ehemals, sondern bis ״auf den heutigen Tag, trotz achtzehn Jahrhunderten der Verfol- ״gung und des Elends! Ich habe sie seitdem besser würdigen ge- ״lernt 2), und wenn nicht jeder Geburtsstolz bei den Kämpen der ES wäre arger, als eine Sßnde, selbst als ein Verbrechen, es wäre ein Feh׳ ler! Ein großer Donatschnitzer, eine wahre Albernheit wäre eS, wollte Ulan einen Geist, der als der Schöpfer verkündet ist, mit seinem Gesäwpfe, mit einem Menschen, ler vielleicht ein großer Künstler ist, aber den Stoff zu sein cm Werke nicht selbst zu schaffen vermag, vereinerleien. — .a) Und doch war ihm schon Lesstng darin viele Decenntrn vorangegangen.