Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 7 (April 1855)
- Article
- Heinrich Heine [Rezension]
- Date
- 1855-04-01
- Page
- 380 (sequence 4)
- Language
- German
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380 Heinrich Heine. den ״Liedern der Liebe" und den ״Reisebildern." Wenn wir uns recht erinnern, so steht in letzterendie lästerliche ״Götterdämmerung," ein wahrer Schmutzpfuhl, der alle Diamanten der Welt wie ein Schlammvulkan besudeln und verdunkeln konnte; in den erstern der paffende Vers: Doch wenn wir auf dem Mist uns fanden, So haben wir uns gleich verstanden! Da mag er wohl eine Bedientenseele unter seinen Zechbrüdern im Sinne gehabt haben, und unser Cato fahrt, nachdem er seinen Dichter und seine ehemaligen Juwelen gerühmt, mit gedämpfter Trommel also fort: ״Jetzt ist er so tief gesunken, daß er, statt des Edelgcsteins, nur noch eklen Staub in Gottes und der Menschen Angesicht werfe." Zu guter letzt warnt der fromme Prediger seine Franzosen vor der pente dangereuse, die in einen moralischen Abgrund führe. Dem frommen Manne blutet das Herz, wenn er seine pariser Ratten und Loretten arglos über das schmale Brett hinlaufen sieht, das sie verrätherisch in die Falle locket. Es wäre schade um jene lieben Ratten! Darum erhebt er seine warnende Stimme und ruft: ״De nos temps c’est Pesprit qui tue les lettres, et le bon ״mot dtouffe, dans son germe, plus d’un bon sentiment. Ayons ״plus d’amour pour la proche du laboureur et m 01118 d’engoü- ״ment pour la batte du bouffon. Si nous 11c pouvons plus 6״tre dun esprit simple, soyons du moins d'un esprit bonni?te. Kt ״puisqu’on parle tant de nos jours et de toute part du bdsoin ״dune autoritd morale, et de la saintetd des ddvoirs, ne ״pardonnons pas le charactöre au talent, et demandons de la ״conscience meine aux hommes de lettres/׳ Die alte Babylonierin hat viele Zähne verloren, aber dafür viele Frömmigkeit gemacht; wie sie gottesfürchtig worden ist! Wie sie da sitzt, mit gesenkten Augen, züchtiglich und ihre Wolle zu Pallien spinnt, oder Altardecken stickt! Jetzt brummt Niemand ein unzüchtiges Lied Beranger's mehr, oder reißt zotige Ealembonrgs, sondern singt statt ihrer fromme Psalmen und Litaneien. So fromm sitzt sie dort, die alte Magdala, die andächtige Betschwester Lutetia. Und der Französischste der Deutschen wagt es, seine frechen Späße ihr ins Gesicht zu werfen! Ihr, dieser Niniveh, der der neue Jonas Buße predigt, der Bekehrten!