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Jeschurun · 1855-03-01 · Heft 6 (März 1855) · p. 341

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1854-1855)
Issue
Heft 6 (März 1855)
Article
Jüdische Skizzen aus Berlin
Date
1855-03-01
Page
341 (sequence 3)
Language
German
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Ein jüdischer Fastnachtstraum. 341 einig, und die Gemeinde' hatte ihr Gemeinsames wiedergefnnden, der.Stern der Genossenschaften war unter- und alles Holde von ihnen heimgegangen, — und alle Jünglinge kannten die Bibel so gut wie den Horaz und die Jungfrauen den David so gut wie den Lenau, - unb bas Indenthum, das ewig alte und ewig junge, war eine Wahrheit geworden in Berlin und feierte feine Triumphe in dem Augenblitz der Knaben und Mädchen, in dem Herzschlag der Jünglinge unb Jungfrauen, in den Gedankenblüthen der Männer und Krauen, in der Seligkeit der Häuser und Hütten . . . Das Bild war.vollendet, was sollte die Lancetradirung-des Skizzeurs?! Da saß ich einmal Ln einem solchen Intervall, von der Fieberseligkcit entnüchtert, von der schaalen Wirklichkeit angegäbnt, und dachte an Sie und Ihren Jeschurun, unb an meine guten Berliner, denen mein Fiebergast alle für ihn und für sie bestimmt gewesenen Bonbons weggenascht, Alles, was ich Ihnen Heiteres und Ernstes über unseren jüngsten Sieg in den Kammern, über die Hoffnungen die sich an das ״on dit" des projektirten Landrabbiuats und Rabbinerseminars und au das großartige Wirken,׳ mit welchem unser wirklicher neuer Borstand debütirte, knüpfen — und dachte an das fröhliche Hamansfest, das ich so fröhlich in; Jeschurun mit zu verleben gedachte! Wollte Ihnen von dem Purim meiner Kindheit, von der Heiterkeit xutb dem Witz erzählen, die nickt nur am Purim über den Haman in effigie triumphirten, die der Gott Jttdas den Söhnen seines Volkes als die rettenden Dioskuren beigesellt, ihnen den Sieg über die Stürme des Geschickes unb über die Bosheit ihrer Feinde zu erleichtern, die eben dem Juden jene Elasticität des Geistes und des GemütheS, jene Unverwüstlichkeit der Lebenskraft erhalten unb genährt, über welche noch mancher Haman feinen WeisbeitSzabn knirschend zerbeißen wird — wollte Ihnen die Eigenthümlichkeit jener göttlichen, jüdischen Ironie zergliedern und zeigen, wie nur aus dem tiefen Grunde des jüdischen sittlichen Ernstes sie jene heilige heilende Kraft bewahre, uitd wie Heine nur darum zu Grunde gegangen, weil in ihm nur der Purim ohne T'haaniS Esther sortgelebt, und war eben daran zu untersuchen, warum unsere Zeit, warum namentlich Berlin keinen Purim mehr hat, meinte eben, weil es den Thaaniß Esther verloren — da trat unangemeldet mein Fiebergast ein, schüttelte mich dreimal und hob mich dann, glühend auf seine phantastischen Flügel. Kaum aber flog ich schauernd in die glühende Höbe, da hörte ich ein Klappern, wie wenn der Hagel an die Scheiben schlägt, oder der Storch seinen Schnabel wetzt — oder daö Fieber die Zähne rüttelt, — es war der Purimhumor mit seiner Hamansklapper. Phantastisch war er gekleidet. Buntscheckig sein Harlequins-Gewand. Jedes Jahrhundert hatte bald einen großen, bald eine kleinen, nur anders gefärbten Lappen dazu geliefert. Und eine yunderniedliche, unaufhörlich klappernde elfenbeinerne Hamansklapper trug, er in Händen.. Und unaufhörlich schlug die Klapper, bald Jamben, bald Trochäen, bald im daktylischen Taktmaaß die Namen

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