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Jeschurun · 1855-03-01 · Heft 6 (März 1855) · p. 342

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1854-1855)
Issue
Heft 6 (März 1855)
Article
Jüdische Skizzen aus Berlin
Date
1855-03-01
Page
342 (sequence 4)
Language
German
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342 Jüdische Skizzen aus Berlin. schlagend, die von unsichtbarer Hand geschrieben, wie vom Wind getriebene Kornfelderwetten, wie vorn Sturm gepeitschte Meerwellenkräuseln, auf der Fläche unteren Hammer voriiberrasten, — christliche Namen, jüdische Namen, Polizisten- und Publicisten-Namen, Eommunalftadtratb- und jüdische Vorstands-Namen, evangelische Pastoren- und israelitische Rabbiner- Namen aus allen Zollen und Gauen taujtcu in bunter Reibe unterm HamanSbammer vorüber, und weil die Klapper instinktmäßig einen gewöhnlichen Haman nur einmal einen Vorstandsbaman aber zweimal schlug, einen Rabbinerhaman aber gar mit drei Schlagen bedachte, kam Sinn und Verstand und jener rvtbmiscbe Woblklang ins Klapvern. Endlich stand der Namenfluß und auf Einen Namen schlug die Klapper ihr unaufhörliches Prestofinale ..... Ich schielte hin und gewahrte den Namell des in der — straße wobnenden Vaterö der Nabbinerbamane. ״Nicht der Mübe werth" sprach ich — und der Hammer dielt in ne, das Eonzert war aus. Und gemüthlich setzte sich der Pllrimbnmor zl! nur ans Bette, legte Kappe und Pritsche und Klapper ab, wischte sich die Stirn, kreuzte die Arme, athmete tief aus, schlug die Beine über einander und begann und sprach: Eigentlich bin ich gekommen, dir deine Frage zu losen, warum , ich mich nicht mehr blicken lasse im jüdischen Kreise. Es ist eiiio webmütbigernste Geschichte, bei der Einem wobt der Humor vergeben kann. Merke dir sie wohl und erzähle sie weiter im Kreise der Deinen. Es war an der Gränzscheide jener düsterbeitern, dnnkellichten Zeit, Ihr wobntet noch in den engen Gbettis, in welchen eure Feinde euch zwangen glücklich zu sein; aber ibr battet schon das gelbe Zeichen abgelegt, das euch nach Außen brandmarkte, aber tut Innern euch adelte und den heiteren, euch aufrecht haltenden Humor in eurer treuen Brust warm hielt; auch durstet ihr schon unverzollt die Tbore passiven, denn man fing an, den Freipaß für acht zu erkennen, den der Oberpolizeiberr des Weltstaats für eure Wanderschaft in seinem Reiche euch ausgestellt, — ich aber lebte noch in eurer Mitte. Was ibr im Ernst nie sein durftet, was euch der Ernst des ganzen Jabres versagte, was euch im bittersten Ernste die exeoutorss 168tam6nti Hamani noch Jahrtausende nach ihm treu in seinem Geiste verboten — Alles daS wurdet ihr zum Scherze am Purim, Kaiser und Könige, Ministe׳- und Rätbe, Advokaten und Nacht- Wächter, Doktores und Prosessores, Schuhmacher und Büttel — Alles probirtet ihr am Purim durch, suchtet und fandet die schwache Seite in Allem, den Dorn in der Krone, die Kleinheit im Pathos, die Schwäche iu der Gewalt, das Lächerliche im Erhabenen, die Kurzsichtigkeit in der Gelahrtheit, die Beschränktheit in der Kunst -- den bittern Katzenjammer nach jedem, noch so süßen Rausch — und wenn ibr dann am Ende der Purimnacht eure humoristische Garderobe ablegtet, seinen vergoldeten Reichsapfel und sein Rauschgold umwundenes Scepter der Kaiser, seine pappene, glaslvse Brille der Minister, seine falsche PerrüÄe der Doktor, und seinen gravitätischen Säbel der Häscher, dann hattet ihr den

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