Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 6 (März 1855)
- Article
- Jüdisches Gemeindewesen
- Date
- 1855-03-01
- Page
- 331 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Dritter Artikel:. Thalmud Thora. 3. Die Gemeinde. 331 mächtigen lassen!rollten, mit dessen Verleugnung sie aber sofort im jüdischen Kreise jede Autorität eingebüßt— nun denn, diesen unjüdischen Rabbinen und Vorständen war es Vorbehalten, sich zur Gestaltung der jüdisch-religiösen Angelegenbeiten an die nichtjüdische Staats!nacht zu wenden und sich von dieser mit einer Vollmacht bekleiden und in deren Namen Maßregeln ausführen zu lassen, die selbst zu thoragemäßen Zwecken nur von dem Vertrauen und der Billigung der jüdischen Thoragemeinde ausgehen können. Und es war ihnen ein Leichtes diese Staatsautoritäten zu mißbrauchen. War ja diesen Autoritäten das ganze jüdische Wesen und Leben eine unbekannte Größe, waren diese ja nur allzu geneigt, einer verlästernden Schilderung Glauben zu schenken, die das alte bestehende Zudenthum und die alten bestehenden Gemeinden als voller Mißbräuche und Unkultur, voller Unwissenbeit und Aberwitz, sich aber als die allein Erleuchteten, Gebildeten, Fortgeschrittenen darzustellen bemühet, deren Aufgabe es sei, ihre unwissenden, aberwitzigen Gemeinden wider ihren Willen selig, wider ihren Willen glücklich, wider ihren Willen aufgeklärt und gebildet und gesittet zu machen, und deren Kuratel mau daher die armen, alten und unzurechnungsfähigen Gemeinden mit ihren armen, altersschwachen Gebräuchen und Heiligthümern von staatswegen zu überlassen sich verpflichtet halten dürfe. Und so haben wir's erlebt, wie mit Staatsdekreten und Polizeimannschaftshülfe, ja mit Androhung des Verlustes des bürgerlichen Erwerbrechts gerüstet, Rabbiner und Vorstände Gottes- Häuser und Gottesdienst und alle Heiligthümer jüdischer Gemeinden bandhabten, als wären'ö ihren Händen überlieferte Puppen, als seien sie eine mit Blitz und Donner der Gewalt gerüstetete Gottheit, aus deren Machtgewölk die zitternde Gemeinde ein neues Zudenthum, ein neues Gesetz hinzunehmen hätte, —- haben's erlebt, wie vor den Wettern dieser Gewalt die alten Gebete mit ihren alten Hoffnungen verstummen, neue Liturgien ausgenommen werden mußten, Synagogen geschlossen, ThoraS verschleppt, in die Keller, in die Wälder, in die Fremde die thoragetreuen Glieder ihrer Gemeinde mit ihrem Gottesdienste flüchtig verwiesen wurden, haben's erlebt, wie vor den Wettern dieser Gewalt die alten Schulen mit ihrer alten Thora verstummen, wie vor den Wettern dieser Gewalt Schulkinder mit ihren Thorabüchern auf Böden, in Scheunen flüchten und zuletzt ihren aus den Stadt- 20*