Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 6 (März 1855)
- Article
- Jüdisches Gemeindewesen
- Date
- 1855-03-01
- Page
- 320 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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320 Jüdische» Gemeindewesen. den einzigen Zwpck, um dcssentwillen ihr euch der Thora entfremdet'. O, eö rächt sich bitter, das; man seit fast einem halben Jabrhundert הלמוד חורה in den jüdischen Gemeinden vernachlässigt, daß man seit fast einem halben Zabrbundert die Thora, die מורשה ׳קהלה יעקב die das Erbgut der ganzen Jakobsgemeinde sein sollte, die als אשדח auf dem Altäre einer jeden jüdischen Brust ihre priestcrlichc Pstcge findcn sollte, die jeden Sohn und jede Tochter Israels zum Pricstcrtbum der göttlichen Wahrheit und Weisheit begeistern sollte — zum Grnbcnlicht für die Schachte der Gelehrsamkeit und zum ״Brod" suchenden Lichte der Studirlampc bcrabgrwnrdigt und aus dem Geistesleben der Gemeinde gebannt hat. Was haben die Gemeinden, was bat daS Gcmeindelcbrn, waS hat das jüdische Gemeinwesen dabei gewonnen, das; seil einem halben Jahrhundert Kunst und Wissenschaft, Bildung und Gclcbrlchrsamkeit einen so bewunderungswürdigen Aufschwung in ihren Kreisen genommen? Was haben die Gemeinden, waö hat daS Gemeindelcben, was hat das jüdische Gemeinwesen dabei gewonnen, daß so viele Sterne erster Größe in allen Sphären der Kunst, der theoretischen und praktischen Wissenschaft, aus ibrrm Schooßc bervorgegange»? Weil die Gemeinden die Pflege der Thora verschmähet, weil die allgemein angestrcbtc Geistesbildung alles Andere, nur keine jüdische gewesen, weil der tiefe Born der jüdischen Wissenschaft im eigenen jüdischen Kreise fast bis zur bloßen Ahnung vergessen worden, darum haben sich gerade die begabtesten ihrer Söhne alsbald ihnen entfremdet, haben gleich an der Schwelle des Tempels der Wissenschaft und Kunst alle jüdische Eigcnthümlichkeit, wie einen entweihenden Staub von den Füßen geschüttelt, darum n׳aren gerade sie die Ersten, selbst zu vergessen Juden zu fein, waren sie die Letzten, die Blüthcn ihres Geistes als Kranz der Vcrhcrrlichnmg auf die Stirn des Judenthumö zu drücken, darum zollt unser Jahrhundert einer glänzenden Reihe jüdischer Geister in Kunst und Poesie, in Wissenschaft und Forschung den verdienten Zoll der Bewunderung und Verehrung, erinnert sich aber nur dann der jüdischen Herkunft, wenn-cö den Stein der Verurthcilung auf Einen derselben zu werfen für gut findet.