Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 6 (März 1855)
- Article
- Jüdisches Gemeindewesen
- Date
- 1855-03-01
- Page
- 319 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Dritter Artikel: Thalmud Thora. 8. Die Gemeinde. 319 ״Veredelt" euren Gottesdienst ״mit Orgelton und Chorge sang" — verbreitet ״Bildung" und Wissenschaft und Kunst in den Kreisen eurer Gemeinden, thut es Allen zuvor i» patriotischer Hingebung und opferfreudiger Bereitwilligkeit zu Spenden für'ö Allgemeine, daß man euch Beifall zollend auf die Schulter» klopfe und euren Fortschritt und euer Voranschrcitcn lobe — Achtung, wahrhafte, dauernde Achtung werdet ihr doch nicht ge- Winnen, so lange ihr die Tbora in den Winkel der Vernachlässigung verweiset, so lange ihr den Geist der Thora nicht wieder bei euch heimisch macht, so lange ihr Alles, die Kunstfertigkeit, die Wissenschaftlichkeit, die Literatur aller Volker und Zungen bet euch pfleget, aber gerade eure cigcnthümlichc Wissenschaft und Weisheit, den Geist eures eigenthümlichen Schriftthumes verschmähet und verachtet, der allein euch den Play im völkcrgcschichtliche» Kreise anweiset, und dessen Pflege allein euch den achtunggebietenden Charakter erwirbt. Alles andere erwirbt euch nur Duldung in der Bcurtheilung der Menschen. Tauschet euch nicht! Ui» eurer Künstlerbcgabung, eurer Wissenschaftlichkeit, eurer Gelehrsamkeit, eurer Wohlthätigkeit willen verzeihet man es euch, daß ibr Inden seid, thut man euch großmüthig den Gefallen zu vergessen, daß ihr Inden seid, achtet man in euch nur das, was ihr mit de» Nichtjuden gemein habt, worin nichtjlidischc Geister, nichtjüdischc Große» eure Vorbildcr und Wegweiser sind, aber euch selbst, den Inden im Juden, das Jndcnthum im Juden, euer eigcnthümliches Wesen, das bringt ihr mit allem dem nimmer zu Ehren. Weil ihr die Thora vernachlässiget, weil ihr euer eigenes geistiges Erbe nicht bei euch und in euch zur lebendigste» Entfaltung bringet, weil euch die Thora längst nicht mehr das alldnrchdringende אשדה der Erleuchtung nnv geistigen Belebung ist, weil ihr eure Geistesbildung nicht auf eurem ctgenthümlichcu Boden zur Entfaltung und Reife bringet darnni habt ihr wohl Künstler, aber nicht jüdische Künstler, Gelehrte, aber nicht jüdische Gelehrte, Staatsbürger, aber nicht jüdiscbc Staatsbürger, darum wird mit aller unter euch gepflegten Kunst und Wissenschaft, Gelehrsamkeit und Bctheiligung am öffentlichen Leben nicht der jüdische Geist zur lebendigen Anschauung und lcbcugestaltenden Wirklichkeit — und Achtung gebracht, und darum erreicht ihr gerade durch eure Thoracntfrcmdung nicht einmal