Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1855)
- Article
- Amerikanische Zustände
- Date
- 1855-02-01
- Page
- 283 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Amerikanische Zustände. 283 tm Fortschritte begriffenen geistigen Hebung der hiesigen Juden. Sie treffen selten eine Gemeinde, die nicht ihren Prediger hat, der dann zugleich Superintendent der Schule ist. Noch sind die Gemeindeverhältnisse im Allgemeinen vom orthodoxen Prinzipe getragen, nur in einigen Gemeinden sind Aenderungen im Gottesdienste vorgcnommen worden. Kurz, s. g. H., ich kann Ihnen die befriedigende Bcrsicherung geben, daß der Wetteifer unter den jüdischen Gemeinden Amerikas ein großartiger ist. Eine Jede will es der Andern zuvorthun, an prächtigen Synagogen, Einrichtungen und dergl. ihre Nachbarin überstrahlen, Möge dieser Wett^ eiser bei Bielen auch שלא לשמה sein, und verwerflicher Ehrgeiz — oder auch Speculation zur Bergrößerung der Gemeinde und deren Fonds mit im Spiele sein, so kann dies dennoch, nach meiner Ansicht, für die werdende Generation nur von großem Einfluß und Nutzen sein — wie unsere Weisen längst bemerkt: מתוך שלא לשמה לשמה/ — und so wird sicher diese herrsche Saat des jungen Judenthums in Amerika, vorausgesetzt, daß sie von drm verderblichen Einfluß der ״Neform" verschont bleibe, köstliche Früchte für die Zukunft Hervorbringen. Aber, so wie das entzückte Auge bei dem Anblick eines herrlich blühenden Saatfeldes im Frühjahr, oft wehmuthsvoll und betrübt, wenn es den Wurm der an der Wurzel naget wahruimmt, mit Thräuen zuin.einjigen Retter nach Oben blicket — so füllet sich auch das Auge mit Lhranen und das Herz des wahren Juden mit Wehmulh und Besorguiß bei der betrübenden Wahrnehmung der Gefahren, welchen bereits auch eie junge Saat des Judenthums in Amerika durch die Bersuche eines auch hier sich ausbreitenden Geistes verderblicher Reformen ausgesetzt ist. Fünf solcher Reform-Tempel sind bereits in diesem ^ande jenem Gotte, den man den ״Zeitgeist" nennt, errichtet und eine Menge Zeremonien unseres heiligen Ritus und viele Gebete, verfaßt und eingesetzt durch unsere Geomm, demselben als Opfer gefallen. Aber damit ist man, wie es scheint, noch nicht fertig; man will ״vorwärts" schreiten, ״vorwärts" ist das Vosungswort und sollte es auch über das wahre Ziel hinausgehen — wo aber — das ihrige steckt? wo ihr Streben seine Gränze findet? das wissen sie leider selbst noch nicht! — Wie unsicher diese neuern riteformer des von ihnen zu verfolgenden Weges und Zieles sind, zeigen Thatsachen, welche nur zu klar manifestiren, daß sie plan- und compaßloS in die weite gefährliche See Hinaussteuern und sich einzig nur der Strömung überlasten, in welche die jeweilige Brise des TageS sie treibt.