Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1855)
- Article
- Amerikanische Zustände
- Date
- 1855-02-01
- Page
- 282 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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282 Geqieindewcstn. wurden aber von der dortigen Behörde im besten Stande erhalten, und vor jeder Prosanirung geschützt. Wir könnten hier noch manche topographischen und chronologischen Beweise anführen, die klar zeigen, das schon vor weit länger als einem Jahrhundert die Portugiesen organisirte Gemeinden in diesem Lande gebildet. Ihr Ritus war und ist bis heute noch streng nach Art ihrer Väter Minhag ftepbardira, ohne die geringste Aendcrung. Zu bedauern ist nur sehr, daß sie die Pflege des ״Baumes des Lebens", der Thora, fast ganz unterlassen und wenige oder, fast gar keine jüdische Gelehrte unter ihnen angetrcssen werden. Die jüdische Literatur ist ihnen fast ein Fremdling, von dem sie erzählen gehört, den sie aber nicht kennen. Auch bei ihren Nabbinen und Vorsängern sindet sich wenig jüdische Gelehrsamkeit, und sie thun nichts zur Verbreitung der heiligen Wissenschaft. — So weit für heute, im Betreff der portugiesischen Juden. Die jüdische Immigration ans Deutschland, Polen und England begann in größeren Verhältnissen erst seit 25 Jahren, bis zu welcher Zeit sie sick) nur in wenigen Orten zu besonderen Gemeinden vereinigt hatte. Damals begann wohl in den größeren Städten die Bildung jüdischer Gemeinden — eine eigentliche Cönflituirung datirt jedoch erst aus den letzten 15 Jahren. Seit dieser Zeit bietet die Entwickelung der jüdischen Gemeinden in Amerika das Bild eines mächtigen Stromes, dessen Bette sich fort und fort erweitert, der aus Zuflüßen aus Ost und West und Süd und Nord immer gewaltigere Massen in sich aufnimmt. In keinem Theile der Erde zeigt sich also wie hier das organisirende Element, das dem .׳udenthume innewohnt. Wo sich 15—20 Juden zusammenfinden, treten sie zu einer Gemeinde zusammen, engagiren einen Chasau, Schochet und lassen ihre Kinder im Hebräischen unterrichten. — In den großen Städten trifft man jüdische Gemeinden, wie sie in keiner Stadt Europa's schöner organisirt und mit allem Erforderlichen besser versehen sind — prächtige Synagogen, zweckmäßig eingerichtete Frauenbäder, gute Kinderschulen, geordneten Gottesdienst, deutsche oder englische Prediger und Rabbiner. (Selbst in San Francisco haben sich jüngst 2 große Gemeinden gebildet und fand bereits vor den Feiertagen die Einweihung ihrer schönen Synagogen statt.) Das immer fühlbarer werdende Bedürsniß einer besseren Erziehung, der immer mehr erkannte Mangel eines guten Unterrichts — der namentlich bei den Ein- Wanderern zu bedauern ist -״ ist sicherlich ein erfreuliches Zeichen der