Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1855)
- Article
- Amerikanische Zustände
- Date
- 1855-02-01
- Page
- 281 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2932754-2932807-2932813-2938338--00410-2938415- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Amerik-ntsch« Zustände. 281 geringer Theil kann unter der Rubrik die wirklichen Armen subsumirt werden. — Der Segen der Handelsgnd Gcwerbsfreiheit tritt überall zu unveriennbar hervor, als daß wir hier länger bei der Betrachtung der unermeßlichen Erfolge, welche die Entwickelung der amerikanischen Verhältnisse ihr verdankt, zn verweilen brauchten. Auch der Unbemitteltste, wenn er nur gesund ist und arbeiten will, ist im Stande sich und seine, wenngleich zahlreiche, Familie auf anständige Weise zu erhalten und durch Fleiß, Umsicht und Sparsamkeit einiges Vermögen zu erwerben. *׳* Nur stehet der Hang zum LuruS und das Haschen nach Vergnügen Vielen, die aus Mangel an wahrer Bildung zu schwach sind, ihnen zu widerstehen, hinderlich im Wege, und nickt selten sieht man wohlhabende Familienväter, häufig leider! unter unseren Brüdern, die aus Neigung zu einem die Gränzen ihres Vermögens weit überschreitenden Luxus, der im Allgemeinen hier ganz enorm ist, dem Verderben in die Arme rennen. Gleichwohl ist, Alles in Allem, der Wohlstand der jüdischen Bewohner Amerika's ein gedeihlicher — und Mangel und Entbehrung kennt man nur selten. — So viel für den Augenblick über die äußere Lage. Haben Sie nun einen flüchtigen Blick ans die äußere Lage der Israeliten Amerika's geworfen, so bitte ich Sie, mir nun in die Ver-- hältniffe ihres innern religiösen Lebens folgen zu wollen. — Bevor wir jedoch uns ein Bild der gegenwärtigen jüdischreliMösen Zustände zu entwerfen versuchen, erlauben Sie mir, Sie um einige. Decennien zurückzuführen, um aus der Erkenntniß der ursprünglichen Verhältnifle die Gestaltung der Gegenwart bester erkennen zu können. Das älteste organisirte Iudcnthum in diesem Lande, muß den po rtugicfischen Juden zugeschrieben werden. Diese sollen, chronologischen Angaden zufolge, bereits seit zwei Jahrhunderten in diesem Lande wohnen; auch sind Spuren in Menge, die beweisen, daß dieselben schon vor mehr als 130 Jahren organisirte Gemeinden gebildet haben. So, als der schon oben -rwähnte Isaak Tauro in seinem Testament seinen Willen niedergelegt: in seinem Geburtsorte Newport bei seinen Vätern begraben zu werden, fand es sich, daß der dortige jüdische Bcgräbnißplatz und die Synagoge bereits über 130 Jahre alt sind. Seit 70 Jahren wohnt zwar kein Jude mehr dort; denn in dem Krieg mit England im Jahr 1786 waren sie von dort weggezogen. Synagoge und Begräbnißplay