Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1855)
- Article
- Aus der Mappe eines wandernden Juden
- Date
- 1855-02-01
- Page
- 274 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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274 Aus dir Mappe eines wandernden Juden. diese Männer, deren straffe Muskelkraft der schwersten Last, der anstrengendsten Arbeit in Sonnenbrand wie in Wintcrfrost sich darbietet, diese Menschen, deren ganzer Reichtbum in ihrer Gesundheit, ihrem Fleiß, ihrer Genügsamkeit und Mäßigkeit und in ihrer Redlichkeit bestehet, deren unveredelte Kraftfülle wohl nicht selten in rohe Ausbrüche sich verläuft, nie aber zu Gewalt und Unrecht sich hinrcißen läßt, diese Menschen, deren Leben auch durch die heiter schönen Sonnenblicke der jüdischen Gottinnigkeit und Feier und die jüdische Brüderlichkeit und Menschenliebe gehoben und beseeligt wird, diese in ihrer Armuth reichen Juden — was boten sie für einen Stoff, für eine Wirksamkeit, die Abraham gleich in unserer Zeit, ״in Charon", ״Seelen bilden" möchte! Welche Pflanzschule des JndenthumS diese unverdorbnen, gesunden jüdischen Gemüthcr und Köpfe! Wenn man zu ihnen Hinabstiege und nicht nur — was ja mit edler Milde reichlich geschieht — der leiblichen Noth ihrer Armuth begegnete, sondern wenn jüdische Männer, jüdische Hände sie aus ihrer Dürftigkeit und Rohheit zu beglückender und veredlender Thätigkcit, zu menschlicher, jüdischer Bildung und menschenwürdigerem Schaffeil zu heben sich bemühctenü Wenn ihnen Veredlung und Bildung auf jüdische Weise, in jüdischem Geiste gebracht würde!! Sie können ja in Ihrem Kreise Alles, sind ja nicht beschränkt und beengt durch engherzige Zunftgesctzc und Einrichtungen. Sie haben wohl Armcnschulcn; aber warum haben siekeine jüdischen Arbeitsschulen, keine jüdischen Vereine zur Förderung des Handwerks und der gemeinnützigen Erwerbsrhätigkeit, o warum lassen auch Sie, auch Sic die Armuth und i ie Noth als willkommenes Feld jenen jüdischen Missionärbcstrebu!!.gcn anheim fallen, die seit 40 Jahren die Aussaat des Handwerks und der Kunst im jüdischen Kreise zur gleichzeitigen Propaganda dcS Abfalls vom Judenthume benutzen!7 Sie haben ja das Beispiel im Großen vor sich, wie künstlerische Erwerböthätigkcit mit unvcrwischtcm jüdischem Leben und Streben gepflegt werden kann, jene ächten, fröhlichen Herzen, ächt und fröhlich wie der Diamant, den sie schleifen, — gründen Sie jüdische polytechnische Schulen, — schaffen Sie jüdische Handwerker, jüdische Meister, und Sie werden nicht nur für Ihre Kreise dort, Sie werden für weit und breit allen Eltern wohlthätig sich erweisen, die jetzt hoffnungslos nach jüdischen Meistern ausschauen, bei denen ihre