Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1855)
- Article
- Aus der Mappe eines wandernden Juden
- Date
- 1855-02-01
- Page
- 275 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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Auder Moppt eines «ändernden Juden. 275 Söhne die Erwerbstüchtigkeit gewinnen könnten, ohne ihr Judenthum zu verlieren. Ich habe mich auch sonst in Ihrer Gemeinde umgcschen. Man kann doch noch in Ihrer Gemeinde zu jeder Stunde der Nacht מדרש und PrivathLuser bei Pflege der הורה hell und wach finden! Ist das nicht ein Zeichen, wie lebendig dort noch der Sinn diesem heiligen Erbgut der Väter anhängt? Und geschieht doch so wenig diesen Sinn nun zu benutzen, ihm wahrhaft gediegene Nabrung gründlich jüdischer Wissenschaft zuzuführen, geschieht namentlich so wenig, die Jugend des Mittelstandes und-der Vermögenden für die Kenntniß der תורה zu gewinnen, als ob nur die Kinder -der Armen zur תורה berufen wären, dieses ״Jakobs-Erbe" ihnen den Mangel anderer Erbgüter ersetzen müsse, als ob die תורה uur für Die Werth habe — die einmal durch sie ״ihr Brod" finden sollen! Das הזהרו בבני עניים ומר ward zu einer Zeit gesagt, wo die תורה noch keinen Stand gewäbrte, den man in Hoffnung auf Brodgewinn ergreifen konnte. Wenn aber unser Mittelstand nicht mit Geist und Herz in der תורה wurzelt, so wird eben der Kern unserer Gemeindewesen, so werden namentlich die einstigen Träger und Vertrete! der Gemeinden, die aus den! Mittelstand hervorblühenden ״Gebildeten" und ״Reichen", für uns verloren gehen.. Auch Ihre Synagogen habe ich besucht, die großen und die vielen kleinen, und wahrlich, das Herz ging mir auf bei dem Anblick der großen Menge, die nicht an ״hohen" obligaten Festtagen, die an gewöhnlichen Sabbath- und Wochentagen die Räume füllte. Und doch mußte ich mir sagen, warum fehlt hier der Geist, der begriffe, was hier nun zu thun wäre, auf daß auch nach 50 Jahren also die Gotteshäuser sich füllten, :aß wenigstens hier die Kämpfe erspart blieben, die in anderen Kreisen so schmerzlich tief Alles von einander gerissen, warum fehlt der Geist, der nun für diese so emsig besuchten Gotteshäuser die Ordnung, die Würde, den Anstand wahrte, die — nicht die Zeit und der Zeitgeist und die moderne Cultur und wie sonst die Götter alle heißen, die über unfern Gottesdienst heutigen Tages zu Rache und zu Gerichte sitzen — die vielmehr die alten heiligen Vorschriften unserer ח׳ן׳ל so ernst und entschieden fordern, und die in unserer ältesten, unübertrcffbaren Synagogenordnung, die wir שולחן ערוך nennen, niedergelegt sind? Warum fehlt der Geist 17*