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Jeschurun · 1855-02-01 · Heft 5 (Februar 1855) · p. 264

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1854-1855)
Issue
Heft 5 (Februar 1855)
Article
Der Religionsunterricht
Date
1855-02-01
Page
264 (sequence 11)
Language
German
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264 Der Religionsunterricht. ihm ein mit sieben Siegeln verschlossenes Buch bleiben ließest, und dieses ״Buch" doch nicht dazu da ist, nur' hübsche ״Sprüchlein", nette ״Denkverse" an die Kinder, sondern Feuerworte an den Jüngling, Lichtreden an den Mann, Paradiesessprache an den Greis zu richten und die Lebenserziehung zu vollenden, die du mit deinem Religionsunterrichte — kaum begonnen. Das Scnwfi du nicbt, weil ׳— du deinem Kinde wohl allerlei Lehrer, auch Rcligionslcbrcr gegeben — aber diese Religionslehrer dein Kind nur für eine ewige Unmündigkeit herangebildet,, herangewvbnt, sein Lebelang des Religionslehrcrs —- als Vermittlers zwischen Gotteswort unb sich zu gebrauchen — sein Lebelang zn ihnen, den Rctigionslehrern, als ihren ״Priestern", ihren ״Geistlichen" aufzublicken, sie als die Männer ju betracbten, denen cs allein vergönnt wäre, sich dem Gottesworte, als dem Allerhciligsten zu nahen und davon das Beliebige den! Volke gu spenden — w e n n es kommt — sie zu hören! Haben es aber verabsäumt, dein Kind selber zur Quelle zu führen, haben es nicht gelehrt, sich selbst jederzeit den Lebenstrunk aus dem ewigen Borne zu schöpfen, haben es nicht gelehrt, selber von Gott, von Moses, von David und Jesaias, von Daniel und Esra, von Hillcl und Schammai, von Abbai und Rawa, von R. Jehuda Hallevi und Karo zu lernen, haben die Thora nicht zu einem Mirjamsbrunnen gemacht, der, and) ohne sie — dein Kind durch die Oede des Lebens begleite, haben die priesterliche Weihe für sich behalten, und haben dein Kind nicht als Sohn des heiligen Volkes, des Meiches von Priestern erzogen. ״Aber die Möglichkeit! die Möglichkeit!" ״Unsere Kinder haben so viel und so Vieles zu lernen! Wir leben nid)t mehr in den engen GhettiSsphären. Frei bewegen wir uns, nod) freier werden sich unsere Kinder im Weltverkehr bewegen, und unendlich gesteigert sind die Anforderungen, die das Leben an den gebildeten Menschen mad)t und läßt in der Erziehung und dem Unterrichte keinen Raum für den ״hebräischen" Unterricht nach alter Väterweise. Sollen unsere Kinder denn gegen die übrigen Zeitgenossen an Kenntniß und Bildung zurucksteben? Sollen sic ihnen nid)t ebenbürtig gleich stehen in Kenntniß der Sprachen und Realien? Sollen sie im Geiste den beschränkten Gesichtskreis der alten Ghettis noch fortbewahren? Sollen sie aizf alle die geistigen Vorzüge der Neuzeit verzichten?"

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