Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1855)
- Article
- Aus dem Elsaß
- Date
- 1855-01-01
- Page
- 230 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2932754-2932807-2932812-2938242--00337-2938315- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
230 (Mcmcintavtfm. drlrch die Reize dev neuen Genüsse fand der Unglaube unter den Juden leicht zu gewinnende Jünger und eifrige Verbreiter. Die Angriffe, denen nunmehr das Judenthum auch seinerseits durch seine eigenen Kinder ansgesetzt ward, fanden unglücklicher Weise die Rabbincn obne Waffen und durch kontroverseaußer Fassung gebracht, für welche sie sich nicht batten vorbereiten können. In: Anblick dieser gewaltthatigen Eingriffe in das Gebiet unseres Glaubens, denen unsere religiösen Häupter nichts als ihre Ueberzeugungen, ihren Glauben und die Reinbeit ihres Lebens cntgcgenzuscyen batten, erkannte man .die Notwendigkeit, die Rabbinen mit den profanen Wissenschaften vertrau: zu machen, um die Angriffe und Spöttereien nicht ohne Erwiederung zu lassen, denen das Judenthum ausgesetzt war. Aber indem man dieser neugeftcllten Aufgabe zu genügen bemühet war, fiel man in das entgegengesetzte — und weit verderblichere Extrem. War früber die heilige Religionswissenschaft die einzige Beschäftigung der Rabbinen, so sank sie jetzt zu dem untergeordneten Rang einer Neben- und Hülsswissenschaft herab, und endete endlich mit einer solchen Vernachlässigung, das; man seit den letzten Decennien kaum mehr einen ausgezeichneten Thalmndisten findet, eS sei denn unter denen, die bereits ihre Bildung vor 1789 genossen, oder die ungeachtet der allgemeinen Bewegung doch mit Beharrlichkeit den Thalmud und die Poßekim zum Gegenstand ihrer ausschließlichen Bcschaftigung bewahrt. Dies wurde eine furchtbare Krise für das Judenthum. Beschleunigt doch nichts so sehr die Auflösung einer bürgerlichen oder religiösen Gescllschaft, als die Vergessenheit oder Unkenntnis; der Prinzipien und Grundbedingungen, denen sie ihr Dasein verdankt. Was ließ sich für ein Einbalt des Unglaubens und des immer mehr sich verbreitenden unerleuchteten Geistes der Reform erhoffen, wenn die religiösen Führer nur eine unvollständige Kenntnis;, ja nur einen oberflächlichen Anfing von Allem batten, was die religiöse Wissenschaft lehrt'( Die ישיבות, wo unsere Alten ihre Seelen und Karaktere in der Stille des Studiums und des Medinrens so innig mit dem Geiste der Religion getränkt, sind schon lange nickt mehr. Unter Denen, die sick ‘ feit etwa vierzig Jabren für das Rabbinat vorbereitet, giebt es Viele, die den Thalmud nur zu einem äußerst untergeordneten Nebenstudium gemacht. Der größte Theil ihrer Zeit war den allgemeinen Studien