Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1855)
- Article
- Aus dem Elsaß
- Date
- 1855-01-01
- Page
- 229 (sequence 3)
- Language
- German
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Au« dem (Slfafi. II. 229 Bis in's 18. Jahrhundert dauerte dieser Zustand. Da aber, während das Studium des ThalmudS und der damit in Verbindung siebenden Kenntnisse noch die ganze geistige Thätigkeit des jüdischen Volkes absorbirte, bereiteten sich außerhalb desselben bedeutende Verändcrungen vor. Die Philosophie des 18. Jahrhunderts hatte allem religiösen Glauben den Krieg erklärt. Getragen von der gehässigen und rernichtenden Feder Voltaires, der Encyclopädisten, ihrer Mitarbeiter und Schüler, hatte sie ihre Lehren und Ariome populär gemacht. Die Köpfe waren voller Raisonnements, voller mittelmäßiger, ja meistens nichtiger und sophistischer Schlüsse, die unter dem pomphaften Namen philosophischer Prinzipien gelebrt wurden, Aber so schwach diese waren, so genügten sie doch, das mit unermüdlicher Beharrlichkeit betriebene Werk der Zerstörung zu beschleunigen. Die verheerende Wirkung dieser neuen Wissenschaft berührte Anfangs kaum die jüdischen Gemeinden. Sie ging an ihnen vorüber, ohne ihnen die geringste Spur zu hinterlassen. Das Zudenthuru war in den dreifachen Kreis gebannt, den seine Jsolirung, seine Leiden und die Verachtung um cs zogen, welche man damals noch dem Juden zollte. So wie seine Verfolger cs nicht der Mühe Werth hielten, die etwa wobltbätigen Früchte ihrer geistigen Arbeiten in seinen Kreis zu tragen, so versenkte sich auch das Judenthum nur in sich, erwartete Alles mu* von Gott und verschmähte die Schranken seines Ghetto zu verlassen um sich mit fremder Wissenschaft zu befreunden. — Eine der Wirkungen dieser eigentbümlichen. Zustände macbte sich in Frankreich und Deutschland seit der Revolution von 1789 und den ihr folgen: den Ereignissen bemerkbar. Plötzlich und unerwartet waren die Institutioncn alle und das Joch, unter welchem die Inden so lange geseufzt, gefallen. Was Wunder, daß sic sich mit raschem Eifer in ave neuen Carriercn stürzten, die ihnen mit einemmale eröffnet wurden. Als sie in die Gleichbetheiligung an allen socialen Bestrebungen, und in den ungehinderten Verkehr mit allen Klassen und Schichten eines freigcwordenen Landes eintraten, er>chienen sie dort reich an religiösem Glauben und religiöser Wissenschaft, aber völlig fremd mit den literarischen Bestrebungen und den philosophischen Kämpfen, denen in Europa die Religion im Allgemeinen bereits zur Zielscheibe gedient. Durch diese Unkenutniß begünstigt und gefördert