Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1855)
- Article
- Jüdische Skizzen aus Berlin
- Date
- 1855-01-01
- Page
- 223 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische Skizzen aus Berlin. 223 Leilige Oel verunreint — Siehe da — ein neues Wunder — der Tropfen brennt und brennt und verlöscht nicht — — — ״und was auch immer der Allmächtige über uns verhängt hat seitdem — so oft der heilige Chanuka kam, haben wir unsere Lichter angezündet und haben gesungen das alte מעוז צור ישועחי - - Und auf's Neue stimmen sie's an und plötzlich erklingen zwei Fideln und eine Flöte drein und spielen das Lied mit, so treu, so hell und klar, — lustig und traurig — sprühend und zuckend — wie man eben so ein jüdisch Liedel spielt, und allmälig kommen noch andere an die Reihe — ter Kol Nidrc, bic Awoda, der Üfiro-Jozer, l?urim ׳- Lieder, und was eben unsere Troubadours, die ,.Klc־su10rmLa — denn die sind cs, die so unvermerkt mit dem wunderbaren Abendgruß hereiugetreten — mitbrmgen von neuen und alten, uralten Weisen. Diese ״Instrumente," Kle-Smoriin, wie sie die kurios declinirende Volkssprache schlechthin nennt, sind auch so ein eigen Stück jüdisch-poetischen Lebens. Das wandert Jahr aus, Jahr ein mit der Fidel umher, pocht nur an des Stammesgenossen Haus und ruft ihm eim klingend Wort iu's Ohr — seine Tempelweisen . . . Ach die jüdische Musik! — das ist dem Juden mehr als schweizer Alphornreigen —■־ das mahnt an gar viele Länder — an Zion, an Gräzia, an Rom, an Spanien, an die Provence, an Italic)!, au Polen . . . und an viele, viele Zeiten — von Allen hat sie etwas, aber umgcschrieben in jüdische Noten — zugleich weinend, lachend, jauchzend und stöhnend imb aus teilt schrillsten Wehgeschrei ringt sich urplötzlich ein heißer Jubelruf los und umgekehrt . . . .Verzeihen Sie, verzeihen Sie. . daß ich so traurig bin . . ein Mährchen aus alten Zeiten . . das will mir nicht ans dem Sinn . . . Ich habe vergessen, daß ich in Berlin bin, seit langen Jahren in Berlin bin, seit langen Jahren fast grau geworden in Berlin bin . . . Verzciben Sie, daß ich so aus der Nolle gefallen — ich bin ja aufgeklärt — daS ist ja Alles längst, längst vorüber — cs war einmal, zu den Zeiten der beschränkten — bornirten — Eltern, Voreltern, Vorvorcltcrn — die fanden an so albernen Dingen noch Gefallen. . . . Auch Hab ich mich arg verplaudert, die Zeit rückt beängstigend näher und näher und ich — habe meine Pyramide noch nicht fertig . . . Aber vielleicht wissen Sie da draußen mitten in Ihrer Finsterniß gar nicht, was daö heißen will und denken erschrocken an die Zeiten Pharaos, wo wir lustig — ach nein, blos anfangs lustig, dann knirschend, endlich stumpf — an Pithom und Ramsti;