Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1855)
- Article
- Jüdische Skizzen aus Berlin
- Date
- 1855-01-01
- Page
- 224 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2932754-2932807-2932812-2938241--00329-2938309- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
224 (Mcmciuh'wcfen. und zur Abwechslung wohl auch ein Wenig an Pyramiden und ObeliSken gemauert. — Ach nein, so schlimm ist's noch nicht mit uuö, — Pyramiden nennt man hier blos die spitz zulaufenden, grünen, kerzeuleuchtenden, goldflittergleißenden, gabeubehangenen — Weihnachtsbäuine, die unsere zeitgemäß fortgeschrittenen Juden auch ihren lieben Kleinen nicht länger vorenthalten wollen. Sie sollten sehen, mit welcher Freudigkeit, mit welker Hingebung, mit welcher seltenen Einmüthigkeit jüdische Väter und jüdische Mütter, jüdische Großväter und jüdische Großmütter, jüdische Onkel und jüdische Tanten ihren jüdischen Söhnen und Töchtern und Enkeln und Enkelinnen und Neffen uub Nichten und allen lieben jüdischen Bekannten ״aufbauen," — wie ihrem christlichen Personal. . . . Sie lächeln — Sie schütteln den Kopf? ... Ja — beim Allmächtigen! — eS ist wahr, was ich gesagt, buchstäblich wahr —: Inden bereiten Juden daS WeihnachtSsest und erröthen nicht. — Hören Sie das Hohngelächter gellen im nnö her, sehen Sie das mitleidigverächtliche Acksclzucken npd ahnen Sie, was sich im Herzen der eigenen Kinder zu regen beginnt gegen die Eltern, wenn sie zu denken beginnen? . . . Ruh — Ruh — verstörte Geister der Ahnen! . . ״״sie wissen nickt, was sie thun,"" Eure Söhne und Töchter. — Es ist wahrlich, wer wollte das läugnen, ein herrliches, tiespoetisches Fest, dieses Weihnachtöfest, und die Saturnalien der Römer — die Zeit der Freiheit für die Sklaven, der allseitigen Beschenkung, der Vcrthcilung kleiner Bildcken, ans die der große Kirchenlehrer ^canber*) sclbst es znrücksührt, konnten keine edlere Bedeutung gewinnen — aber sich Juden nennen, und das WeihnacktSsest als solches zu feiern — darin liegt eine so fürchterliche Ironie auf sich selbst, daß uns davor schaudert. — Sie können nicht anders, sagen sie, der Kinder, ihr eigener inniger Verkehr mit der Umgebung macht cö nothweudig — Nothwendig? Aber wer um des Himmels willen zwingt Euch denn? Ja wer dankt es Euch nur? Und, noch mehr, welcher Denkende, welchen Glaubens er immer sei, verlacht Euer Treiben nicht? Eure Väter und Mutter konnten sich um des geringsten Gebotes willen hinschlachten lassen zu Tausenden und Ihr gebt Euch aus Convenienz freiwillig der Verachtung Preis. — Wahrlich der Prophet hat Euch gemeint: ״sie verkehren die Ordnung der Dinge, vermischen Freude mit Trauer und Trauer mit Freude." *) Denkwürdigkeiten ans der Geschichte des bhristenthumS, Bd. II. S. 183.