Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1855)
- Article
- Aus Hamburg
- Date
- 1855-01-01
- Page
- 217 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus Hainburg. 217 Die israelitische Freischule, die 1817 ihre Wirksamkeit begann, griff die Sache an dev Wurzel an, indem sie von Anfang an bemüht war, die Jugend für ihre Ideen heranzubildcn. Obwohl hauptsächlich nur für Kinder unbemittelter Eltern bestimmt, that sie jedoch gleich bei ihrem Entstehen vaS, wozu sich die Verwaltung der ״Thalmud Thora" erst 25 Jahre später entschloß, nämlich auch Kinder bemittelter Eltern gegen verhältnißmäßig geringe Zahlung anfznnehmen. Daß der Unterricht int Hebräischen in dieser Anstalt auf die nothdnrftigste Etenientarkennlniß beschränkt ist, daß der Religionsunterricht aus einem zu diesem Zwecke verfaßten. Katechismus von einem früheren Tempelprediger geleitet wird, der das alte Judenthum tm Leben und Wirken längst abgestrcift. hat, daß die Oberleitung des Institutes einem Manne anvertraut ist, der jedem positiven Glauben feindlich, ja man darf sagen, mit sträflichem Fanatismus entgegentritt, zeigt zur Genüge die Richtung, die dem jüdischen Knaben in dieser Anstalt gegeben wird. Es wird Ihnen daraus auch klar werden, weshalb man es für gut gesunden hat, in diese Schule, die nur von Juden und für Juden errichtet worden ist, eine Anzahl Christenkinder anfznnehmen. Roch verderblicher für das jüdisch-religiöse Leben wirkt dieses Institut dadurch, daß die Beschränkungen, die das Judenthum anderen jüdischen Schulvorstehern bei der Einwirkung auf den Lebensberuf ihrer Zöglinge auflegt, für die Vorsteher dieser Schule keine Geltung haben, sie daher die größere Auswahl benutzen, ihren Schülern, nachdem die Lehrzeit beendigt ist, Stellen in Geschäftshäusern, oder durch Vermittelung des Handwerkervereins, Unterkommen bei christlichen Meistern zu verschaffen, die von vorn herein das jüdische Leben unmöglich machen. Welch' einen, daS religiöse Leben vernichtenden Keil ein solches Institut in die mittleren und namentlich in die unteren Klassen unserer Gemeinde eintreiben mußte, können Sie leicht ermessen. Woher aber kommt es, werden Sie mit Recht fragen, daß der Freischule eine, wenn auch nicht so große Anzahl von Schülern als der Thalmud Thora, doch immer beträchtliche Zahl Knaben anvertraut werden, wenn die Eltern selbst nicht schon vollkommen der Richtung angehören, die ihren Kindern dort gegeben wird? Die Frage ist leicht zu beant- Worten. Soll die Herrschaft des Materialismus bei der; Armen sich minder Geltung verschaffen, als bei den Begüterten? Wenn uns leider eine tägliche Erfahrung zeigt, daß Eltern, die in ihrem eigenen Leben mit strenger Gewissenhaftigkeit ihren religiösen Pflichten obliegen, sich über