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Jeschurun · 1855-01-01 · Heft 4 (Januar 1855) · p. 216

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1854-1855)
Issue
Heft 4 (Januar 1855)
Article
Aus Hamburg
Date
1855-01-01
Page
216 (sequence 5)
Language
German
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216 Gemeiiidewesm. geoffenbarte Lehre aussprechen und sich nachher zu deren Wahrheit bekennen, während dieselben Leute außerhalb des Tempels diese Lehre, für die wir auserwählt sein sollen, bekämpfen, und grundsätzlich ihren Bestimmungen zuwider handeln. Roch manche solcher Jnconsequenzen könnte ich aufzählen. Das Gesagte aber genügt, um Ehrten zu. zeigen, in welcher Absicht man resormirte. Die Absicht aber schlug fehl; wir dürfen sagen, sie hat vollständig Fiaseo gemacht. Während seines fast 40jährigen Bestehenswar es dem neuen Tempel nicht möglich, trotz seiner Reizmittel, trotzdem dem bekannten הרס längst die Spitze abgebrochen ist, trotzdem die Synagoge M dem alten Flecke stehen geblieben, dieser alten Synagoge, fast möckue ich behaupten, auch uur ein einziges Mitglied zu entfremden und zu sich herüber- Anziehen. Wer sich den! neuen Tempel an schloß, war schon vorher vollkom-!neuer Gesinnungsgenosse der Mitglieder desselben. Für die Alwu war der Tempel viel zu weit gegangen und — darin liegt die Hohlheit des ganzen -Institutes — für die Jungen ist er zu weit zurückgeblieben. Die darin ausgewachsene Zugend ist in ihrer Gesinnung längst zum Tempel hinaus gepredigt und gesungen, Rur dann und wann treibt das Andenken an einen geliebten Todlen, die alte unwillkührliche Scheu vor dem ך'ףן und namentlich dem ׳י/ס die Nothwendigkeit doch wenigstens HN diesen Tagen sich in irgend eine religiöse Rubrik einzuregistriren, ein zartfühlendes, jugendliches Gemüth, sich in den schönen weiten Hallen hinzufinden. Im Uebrigen bleiben dieselben an Wochentagen geschlossen, m Schabboß und an den Festtagen — leer. Das war es auch, was die Prediger des Tempels uub einige Mitglieder desselben veranlagte, in der ״Sturm- und Drangperiode" der Jahre 1847/48 dafür zu agitiren, daß der Tempel endlich den kühnen Sprung wage und sich plötzlich in eine neujüdische, freie Gemeinde ver-- wandte. Das fand aber namentlich bei dm alter! Mitgliedern, die noch mit ihren Zugenderinnerungen in der Synagoge stehen, lebhaften Widerstand und es blieb beim Alten. Wie Sie hieraus ersehen , hat der Tempel als solcher auf das jüdisch-religiöse Leben in unserer Gemeinde weder in positiver noch in negativer Richtung einen Einfluß. Bon viel größerer Vedeuinng in dieser Beziehung ist ein anderes Institut, das von den Anhänger» derselben Nichtuug, die de» neuen Tempel in'S Leben gerusen und erhalten hat, gegründet ward.

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