Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1855)
- Article
- Aus Hamburg
- Date
- 1855-01-01
- Page
- 215 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus Hamburg. 215 der Reform der Synagoge an/und — der neue Tempel entstand. DaS kennte in Hamburg um so leichter geschehen, als hierorts kein besetz dagegen spricht, das; sich Jeder seinen Gottesdienst nach seinem ״Fayon" einrichtet; wie überhaupt der jüdische Gottesdienst nicht nur in den großen Synagogen, sondern in unzähligen kleinen Winkelschulen fortwährend abgehalten wurde und noch heute wird. Die Gründer deS neuen Tempels mögen eS aber wohl herausgefühlt haben, das; ihnen eigentlich daS wahre Element zur Begründung einer neuen ReligionSsekte, daS Element eines innigen starken Glaubens fehle; eS konnte ihnen nicht entgehen, daß im Grunde die Meisten von ihnen über eine reformirte Synagoge oder einen!taten Tempel hinaus wären; es mußte daher ihr Augenmerk darauf gerichtet sein, die neue Anstalt so einzurichten, daß die neue Genossenschaft sich allmahlig durch Mitglieder der alten Parthei rekrntiren könne, cs durfte die Brücke nicht abgebrochen werden, die von der Synagoge zum Tempel führen könne. Mancher sah schon im Geiste die alte Synagoge, trotz ihres damaligen eifrigen, ja zuweilen übereifrigen Widerspruches, ntit Sack und Pack in's jenseitige Lager übergehen. Zu diesem Zwecke mußte ihre Aufklärung der ״halsstarrigen" Orthodoxie große Opfer bringen. Es wurde als selbstverständlich angenommen, daß der Gottesdienst am Schabbos; stattfinden müsse, obwohl derselbe bei dem größten Theil der Anhänger deS Tempels längst zum Werktage geworden war. Dadurch trat sofort der Widerspruch deß Lebens gegen den Gottesdienst hervor, Nachdem man in hochpoetischen Bersen mit Orgelbegleitung der Sabbathruhe und dem Sabbathfrieden Hymnen gesungen, ging man — zur Börse, tun sich von der Langweile der Sabbathruhe an dem geräuschvollen Geschästsmarkte zu erholen. Während man ferner die זוז הפלח הוכה hebräischer Sprache (mit portugiesischer Aussprache und Bortragsweise) beibehielt, hatte man hie und da das Gebet auf den Messias und die Restauration des בית המקדש daraus entfernt oder geschickt umschrieben; als Beweis aber, das; tuan eö damit so arg nicht meine, Hai man daS schöne יגדל mit seiner vollen Anerkennung des תהית הכתים ׳משיה und der Unveränderlichkeit der תורה, XX[ alter Weise beibehalten. Man hat zwar das Borlesen der תוהה auf ein Minimum (nach dem dreijährigen Cyclns) beschränkt, und wird damit in dürrer, eintöniger Vortragsweise io rasch als möglich fertig. Nichtsdestoweniger müssen die sieben Leute, die dazu aufgerufen werden, zuvor den Dank für die