Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1855)
- Article
- Die Juden in Vollhynien, Podolien und der Ukraine
- Date
- 1855-01-01
- Page
- 209 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Zudc» in Volhynien, Podolle» und der Ukraine. 209 cs, der ihnen die Erzeugnisse ihres Bodens, ihrer Fabriken in Geld verwandeln hilft. Der Handel nach auswärts, besonders der großartige Gctreidcbandel dieser Südprovinzen wird hauptsächlich durch Juden geleitet. Aller Geldumsatz ivird durch sie besorgt, Geschäfte jeder Art, Tausch, Borg, Kauf und Verkauf, gehen durch ihre Hände, obne ihren Rath, ihren Beistand unternimmt man nichts. Vom reichen Edelmann, dem sie Wcchsclbricfe zu vielen Tausenden schreiben, bis z» dem Bauer, dem sie Tabak und Brannkwelu verkaufen, sind alle Glieder der verschiedenen Gesellschaftsstufen ihrer bedürftig, und baden sie gewöhnt sich in alles zu mischen, mit Aug und Ohr überall zu sein. Ucber das ganze Land verbreitet, in der Hütte wie im Herrenhaus gleich bekannt, ewig bin und herwandcrnd und unter einander zusamnieubäugend, wie die Faden eines großen Netzes, sind sie lebendige Zeitungen und Tclegrapbcn; die politischen wie die Familienneuigkcite» machen sic bekannt, und will man eine Nachricht schnell verbreitet haben, so muß man sie einem Juden sagen, und wie ein Lauffeuer wird sie durchs Land gehen. Todes- und Krankhcirsfälle, HeiratbS- und Gcburtsnachrichten, Berichte über verlorene, gefundene und gestohlene Sachen, alles was die Jntclligcnzblättcr sonst füllt, machen sic bekannt und ersetzen deren Mangel. Sie kennen alle Details jedes bänstichen Lebens und dringen in die Gebeimnissc der Familie». Schon dieser reiche Vorrath an Neuigkeiten tbut ihnen alle Thürcn auf, und läßt sic nicht bloß bis in die Schreibstube der Herren, sondern bis in das Boudoir der Damen dringen, welche so sehr die Ncuigkeitskrämcrci dieser Juden lieben, daß sie selbst ibrc Einkäufe in den schmutzigen kleinen Hebräcrstädtcn unter dein sinnverwirrenden Bieten, Feilschen und Lärmen dieses orientalischen Volkes besorgen. Wie so die Inden der Bevölkerung tausendfach nützlich sind, so fügen sie ihr andererseits vielfachen Nachthcil zu. Nicht nur verleiten sie die Bauern zu vielen unnützen Ausgaben, locken ihnen jede ersparte Kopeke ans der Tasche und befördern ihre Neigung «uni Trünke, sondern sic Verbinder» auch das Erwachen jedes Gewerbs- und Handclsgcistes unter ihnen und nehmen ihnen maunichfache Gelegenheit zum Gewinn. Das Gefühl dieses nachtheiligen Einflusses uns nicht religiöser Fanatismus allein veranlaßt wohl auch sie Ausbrüche von Haß, Verachtung, Spott, die sich das nie-