Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1855)
- Article
- Die Juden in Vollhynien, Podolien und der Ukraine
- Date
- 1855-01-01
- Page
- 206 (sequence 3)
- Language
- German
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206 Gcmkindcwtsc». nommen hatten, trat uns unwillkührlich in die Erinnerung, als wir die folgende Schilderung lasen. Wohl enthält diese Schilderung and) einige, die unjüdische Auffassung und Benrtheilung verrathende Aeußerungeu. Aber gerade sie verbürgen, daß eine den Juden nicht voreingenommen freundliche Hand hier den Griffel der Schilderung geführt, und verleiht der übrigens überwiegend günstigen Schilderung ein um 0ן sicheres Gepräge der Wahrheit, eitle um so zuverlässigere Bürglchaft, das; nur eine achtunggebietende Wirklichkeit sic dem Urtheile des Beobachters abgezwungen. ^'ast eben so zablrcich wie die Urbevölkerung der Ballern, ist das eingewanderte Volk der Juden, das seit Jabrhunderten tu diesen Südprovinzen heimisch ist, doch ihre Gränzen nicht überschreiten darf. Diese russisch-polllischen Länder aber haben sie fast wie Eroberer eingenommen, alle Dörfer, Städte sind von ihnen erfüllt, ja es gibt zahlreiche, nur voll ihnell bewohnte Ortschaften, in denen sich die Bevölkerung wie in cincnt Ameisenhaufen drängt. Auf allen Wegen gehen und fahren sie, und sind die Hauptstaffage der Straßen, auf denen man allerwärts Bilder aus bcm alten Testament erblickt. Das heimathlose Volk scheint hier sein Vaterland wiedergefullden zu haben, und fann durch die Toleranz der Regierung in völliger Freiheit seiner Religion, feiner uralten Gebrauche leben, die man vielleicht nirgends in ihreul eigentbümlichen, ursprünglichen Wesen so kennen lernt wie hier. Sie leben unter der übrigen Bevölkerung, durch Handel und Wandel in unaufhörlicher Berübrung mit ihr, und sind doch aufs ällsterste von ihr geschieden, nild hatten mit eiserner Eonseguenz an ihren uralten Gesetzen und Gewolnlbeiten fest. Sie allein im ganzen Reich haben einen voll dem russischell verschiedenen Kalender, und feiern B. ihre Ostern, ihren Neujahrstag einige Wochen früher als die christliche Bevölkerung. Alle ihre vielen Feste halten sie ftreng mit allen uralten Gebrällchell, bauen sich am Laubhüttenfest in ihren schmutzigen kleinen Höfen Lauben aus Weidenzweigen und andern! Blätterwerk, die sie Abends mit Lampen erleuchten und in denen sie während sieben Tagen ihre heiligen Opfermahtzeiten hnltcn, ,bestreichen am Passahfest Thürpfosten und Schwellen mit dem