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Jeschurun · 1855-01-01 · Heft 4 (Januar 1855) · p. 205

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1854-1855)
Issue
Heft 4 (Januar 1855)
Article
Die Juden in Vollhynien, Podolien und der Ukraine
Date
1855-01-01
Page
205 (sequence 2)
Language
German
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Die Juden in Volhynien, Podolicn und der Ukraine. 205 und Gemeindeleben der Juden in seiner dortigen Gesammterscheinung auf sie gemacht. ״Sehen Sie", äußerte einmal ein hoher Beamte gegen uns, der damals eine der höchsten staatlichen Stellungen im Kaiserreiche inne batte, früher aber jahrelang Beamter in Polen gewesen, ״sehen Sie, der polnische Jude imponirt uns durch seine allsgeprägte Persönlichkeit, durch seine Selbstachtung, durch sein unverhohlenes jüdisches Nationalgefühl, durch die Entschiedenbeit und Klarbeit seines ganzen Wesens. Wir wissen, was wir an ihm haben. Wir kennen seine Mängel, wir kennen aber auch seine bedeutenden Vorzüge, seine Geisteshelle, seinen Fleiß, seine unermüdliche Thatigkeit, seine Familienanhänglichkeit, seine Mäßigkeit, seinen unerschöpflichen Wobltbatigkeitssinn, sein lebbaftes Interesse für seine geistige Nationalliteratur, und vor Allem seine unerschütterliche, opferfreudige Gottesfurcht und Anhänglichkeit am väterlichen Glauben. Er ist uns eine klare, entschiedene, zu berechnende, und durch seine unbestreitbaren Vorzüge eine hochzuachtende Größe. Er ist Jude — und es ist sein ganzer Stolz Jude zu sein. Ihre deutschen Juden — nun, Sie nebnlen es mir!licht übel — sind uns Brüche in unbenannten Zahlen. Juden? —- .Nichtjuden? — wir haben keinen Begriff, keine Kategorie, unter welche wir sie subsumiren könnten. Während im polnischen Juden ein ausgeprägter Charakter vor uns steht und uns als solcher Achtung abgewinnt, läßt das Unklare, Unentschiedene dos deutschen Juden die Achtung schwerer aufkommcn. Er tritt bei uns ein — und ist überglücklich — wenn!vir ihn nicht als Juden erkannt, — er verläßt uns am zufriedensten, wenn — in unseren Neußerungen Alles vermieden geblieben, was ibn als Inden bezeichnet hatte — er sucht alle seine guten Eigenschaften bei uns zu verwcrthen, um unsere Hochachtung zu gewinnen -- aber daß er Jude sei, zählt er selbst nichr unter diese guten, achtunggebietenden Eigenschaften, - und!vir werden wenig veranlaßt zu schätzen, oder auch nur einer näheren Erkenntnis! Werth zn achten, was — der Besitzer selbst nicht achtet, und sich so ängstlich bemühet, dem ans ihm ruhenden Auge zu entziehen — —" Diese Aeußcrnng, die wir schon vor Jahren aus dem Munde eines hochgestellten, aufrichtig jndenfrenndlichen Staatsmannes ver-

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