Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1854)
- Article
- Jüdische Skizzen aus Berlin
- Date
- 1854-12-01
- Page
- 157 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2932754-2932807-2932811-2938141--00245-2938205- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Jüdische Skizzen aus Berlin. III. 157!;! Wer sie aber gau; genau kennt, erstaunt darüber nickt, sie bat dergleichen Grosttbaten viele geübt.... Weniger beroische Motive jedoch mö gen die Grenzboten, diese ״grünen" Blätter vom Baume der Literaturerkenutnist, geleitet baben. Sie bassen Heine von Hause aus —er ist aus Düsseldorf uud nickt aus Gotha, zweitens ist er der Pater vieler traurigeil, uugeratbeueu Lvrir wwh auf die baben sie — eigener Jugendsünden und Fiasko's wohl eingedenk — ein ganz besonderes Gift — man besckaue sick nur einmal diese blutdürstige Abscklachtuug, die's unter einem Dutzend junger Poeten auf einmal gar nickt thut — uud drittens und zumeist sind sie Heine gram, weil er in allen seinen Sckriften auck nickt einmal für Runkelrübenzuckermasckineu-Fabrikeu oder ״Susieme" geschwärmt oder davon gesungen bat — und Runkclrübeuzncker in allen Zusannnensetzungen ist ibre Devise. Sapienti sat. Der Rest — d. b. für alle diejenigen edlen Blätter, die so treulick uaebgeblafft baben, trotzdem sie obne jüdiscke Federn und obne jüdisches Geld auck nickt eine Stunde ibr jämmermerlickes Dasein fristen könnten - ist Schweigen . . . Mit dieser Stimme über Heine wären wir demnach für'S Erste fertig. Aber wenn man sick unsrerseits von diesem Gemeingesckrei, das so lebendig an den Eselsfufttritt in der Fabel gemahnt, düpiren laßt, wenn man am Ende gar von Heine selbst, der Person Heine—nur unterscheiden den Dickter von der Person und reden von: Dickter selbst spater, — glaubt, unserer-, jüd'sckerseits glaubt, er sei Jude geworden, es glaubt, bloß weil cs ihm es zu sagen oder nur anzudeuten beliebt, ibn mit Pauken uud Trompeten und einem Naschi Kommentar eii holt, seine unschuldigen, jüdischen Eltern mit geistreich Vorwurfsvollen Fragen, wie: wenn er auf seine Nbuen stolz ist, was ist er auf seine Eltern molestirt, — so können wir das nur bedauern, und unsererseits ein gewaltiges Veto einlegen. Man ist weder Jude, noch ״nnal thcsclmwaa, wenn man auch noch so tiefe Gedanken über Judentbum und Moses ansspricht, an! Allerwenigsten aber ist man's, wenn man in demselben Atbem sich mit den genialsten Bocksprüngen so reckt ״über Gott und Welt" lustig macht. Wir glauben für beut pro juvenili parte schon genug gesagt zu baden und rescrvieen uns diese Angelegenheit; können aber nickt umhin, als ein neues Pröbchen deutscher Gründlichkeit noch zu be-