Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1854)
- Article
- Aus der Mappe eines wandernden Juden
- Date
- 1854-12-01
- Page
- 139 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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139 Auö der Mappe eines wandernden Juden. welchem die herrlichsten Blüthen des Herzen- und Seelenadels, der Sitte und der Liebe prangten? Gottlob Lene Israel sind noch immer Racbamauim, Bene Rachamanim, und Woblthatigkeü und Menschenliebe ist noch unser Erbe. Aber die alte Zedakah und Gmiluth Ebeffcd ist's doch nicht mehr. Geld bat unsere Zeit für die Leiden und Seufzer, für die Mängel und Bedürfnisse der Armen, und für gewisse Zwecke hat sie nicht einmal Geld. Was in alter Zeit Ein Kazin getban batte, was in alter Zeit hundertmal Einzelne gethan, deren reiche Stiftungen noch ihren Sinn für die Wissenschaft bezeugen, dafür haben in unserer wortreichen und tbatarmen Zeit vor mehreren Zähren alle Journale in allen Zungen und Zonen an den Thüren aller Reichen und Bemittelten gebettelt und haben den Zehrpfennig nicht bekommen. Die alte Zeit hatte auch Geld, hatte viel Geld, batte Geld für Alles — und wenn sie auch keine Journale hatte, die jede Guttbat prunkend in alle Welt posaunten, so tröstere sie sich, wie die Alten sich ausdrückten, das; Gott sie protokollirte und Eliahu sie Unterzeichnete — sie hatte aber noch mehr als Geld, sie hatte Zeit, sie hatte Hand und Fuß und Kraft und That für AllcS, eigene, unbesoldete Liebesthätigkeit für alles Humane und Gute, für alles Edlc u״d Heiligt. -,ה״ה ׳גדול ׳הומים ׳קבורה מהים ,בקו חולים׳ für alle!,eiligen Licl!eözn׳ecle lalle man nicl't nur Geld bereit, es war der Stolz, der Wetteifer in dem jüdischen Kreise, mit eigener Thatigkeit diese Mitzwoth zu üben. Ich habe noch in meiner Jugend den reichsten Mann der Stadt, zugleich der erste Kaufherr an der Börse, auf offenem Wagen ׳mitten unter den unbemittelsten Genossen zum Begrabnißort fahren sehen, um dort mit eigener Hand für die ärmste Leiche ein Grab zu graben! Wollen Sie den Abstand der Zeiten scben, sehen sie nur diese eine Mizwah. Noch in meiner Jugend war's ein Wettstreit in mctnev Gemeinde, ein oft mit Hunderten ausgewogenes Vorrecht, Kabbron zu sein, das Recht zu haben, persönlich, selbst, dem; .׳rflorbcueii Menschcnbruder die letzten Liebesdienste der Taharah und Kewurah zu erfüllen; — jetzt gehen bezahlte Schwarzrvac hinter der Bahre, bezahlte Taglöhner machen Sarg und Grab — sonst begrub die Liebe, jetzt begräbt das Geld und die Brüderschaft in meiner Gemeinde ist in Gefahr sich aufznlösen, weil man wohl Geld genug findet, die Liebesdienste der Taharah u. s. w. zu erkaufen, aber unter dem Heranwachsenden Ge- 9*