Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 2 (November 1854)
- Article
- Aus Hamburg
- Date
- 1854-11-01
- Page
- Seite 101 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus Hamburg. 101 ständig bei unserem ermüdeten Mittelstand, wir müssen ihn zum großen Theil bei unseren Armen suchen. So sind sie es z. B., die das größte Contigent zu unseren täglichen Synagogenbesuchern stellen. Nur sehr wenige mögen im Geheim ihrem Erwerb am Sabbath uachgehcn, und der bei weitem größte Theil hat seinen Haushalt nach jüdischen Normen eingerichtet. Unsere Armenanstalten nehmen darauf die vollkommenste Rücksicht. Die Gemeindeverwaltung unseres ArmenwesenS (die Männer, die sie leiten, mögen denken, wie sie wollen) geht darin mit gutem Beispiel voran, und die meisten unserer Privatinstitute (mit wenigen gefährlichen Ausnahmen, die ich nicht übergehen werde) folgen ihr darin. Unterricht, tägliche Speisung, Matzoth, Krankenpflege rc., kurz die mancherlei Bedürfnisse des jüdischen Lebens, sie werden in jüdischem Sinne gereicht; selbst unser Handwerkerverein, der von Männern ganz entgegengesetzter Richtung auSgegangen ist, sieht es gern, wenn sich fromme Männer darum bemühen, Knaben so unterzubringen, daß sie den Sabbath nicht zu verletzen haben, und leisten solchem Bemühen gern mit ihren Mitteln Vorschub, ja, sie haben schon vor Jahren sich aus diesem Grunde bemüht, ein orthodores Mitglied mit in die Verwaltung zu bringen. Aus diesen Beispielen, denen ich noch viele ähnliche beifügen könnte, ersehen Sie, daß unsere Armen in ihrem Bestreben als Juden zu leben bereitwillig unterstützt w^Lden. Die Schwierigkeiten, die sich ihnen entgegenstellen, sind solche, die in heutiger Zeit Jeden treffen, der als Jude leben will. Wie es. aber mit unseren Armen auösehen würde, wenn wir etwa durch ein Auöeinanderreißen unserer Gemeindeverfassung nicht mehr im Stande wären, sie in dem Maaße zu unterstützen, wenn wir genöthigt wären sie ihrem Schicksale zu überlassen, oder ihre Erhaltung von den Männern abhängig zu machen, denen an der Befestigung des jüdischen Lebens nichts gelegen, von denen Einige vielmehr nichts mehr wünschen, als die vollkommene Beseitigung desselben, und wie ein solcher Zustand auf das jüdische Leben der ganzen Gemeinde influiren würde, das läßt^sich schwer vorauösehen. Jedenfalls erfordert diese Sachlage die grö-Amögtiche Berücksichtigung ES sieht manche Theorie auf dem Papier sehr gut aus, die in der Praris nur schwer auszuführen oder um viele Opfer zu erkaufen ist, die unsere beste Absicht zu Nichte machen. Wenn wir in einem nächsten Artikel auf die einzelnen Institute