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Jeschurun · 1854-11-01 · Heft 2 (November 1854) · p. Seite 100

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1854-1855)
Issue
Heft 2 (November 1854)
Article
Aus Hamburg
Date
1854-11-01
Page
Seite 100 (sequence 6)
Language
German
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100 Jüdisches Gemeindewesen. Korrespondenzen. hat. Das gibt aber noch lange kein Bild von dem eigentlichen Nothstand, denn mancher Ehrgeizige quält sich lange Zeit, ehe er zu seinem Armenpsteger geht. Die Leute sträuben sich dagegen länger als man in der Regel vermuthet, und viele sind Jahrelang bereits der Prirajwohlthätigkeit anheimgesallcn, ehe sie jenen äußersten Schritt wagen. Wir müssen daher, um zu einer richtigen Schätzung zu gelangen, einen anderen Maaßstab anfsnchen, und ich will hier nur einen von vielen nennen. Zu einem Legate, von welchem, alljährlich 1000?///.! in 50 Portionen vertheilt werden, also 20 in} oder 8 Preuß. Thaler für jede, melden sich in der Regel nahe an 800 Personen. Nehmen wir nun an, daß darunter sich mancher alleinstcbende Junggeselle oder Wittwer befindet, daß auch Mancher der Angemeldeten es nicht nöthig hätte, so sind wir doch gewiß nicht weit von der Wirklichkeit entfernt, wenn wir annehmen, daß wir mindestens 600 Familien zählen, die ohne unsere Unterstützung sich nur sehr kümmerlich oder gar mcht ernähren könnten. So traurig diese Erscheinung bei einer Anzahl von circa 2000 Familien, ans denen unsere Gemeinde besteht, auch ist, so können wir hier doch eine trostreiche Bennert'ung nicht zurückhalten. Die vielen WohlthätigkeitSanstalren, die gute Armenverwaltung, und vor allen die gnte> Armenschule beweisen, erstens, daß ein solches Elend, wie es in nichtjüdischen Kreisen hier so häufig vorkommt,, in unserer Gemeinde säst nirgends zu finden ist, wir kennen noch weniger die äußerste Armurh alö den großen mächtigen Reichthum, und zweitens, unfcre Armen arbeiten sich häufig Ln die Höhe, namentlich aber sind die Kinder so vorbereitet, daß die Noth der Eltern nur so lange währt, als diese klein sind. Kaum sind diese erwachsen, so ernähren sie nicht nur ihre Eltern, sie werden »vielmehr bald beitragende, sehr oft vermögende Mitglieder der Gemeinde. Unsere Armnth ist daher so wenig erblich wie u n s e r R e icht h ri m; w i r haben keine erbliche Aristokratie. aber auch kein erbliches Proletariat. Indem ich mir nun die Darstellung der einzelnen Gemeinde- , und Privatinstitute, wie der ganzen Gemeindeverfassung, für einen nächsten Artikel Vorbehalte, erlauben Sie mir, diese allgemeine Uebersicht noch mit einer unsere Gemeinde besonders treffenden Bemerkung zu schließen. Der Schwerpunkt nnsereö jüdischen Lebens liegt nicht in der Klasse unserer „übersatten" Reichen, wir finden ihn nicht voll-

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