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Jeschurun · 1854-11-01 · Heft 2 (November 1854) · p. Seite 88

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Journal
Jeschurun
Volume
1 (1854-1855)
Issue
Heft 2 (November 1854)
Article
Jüdisches Gemeindewesen
Date
1854-11-01
Page
Seite 88 (sequence 8)
Language
German
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88 Jüdisches Gemelndewcscn. konnten, indem sie, das eigentümlich jüdische Gemeinwesen ganz ignorircnd, einen neuen, fremdartigen Organismus an dessen Stelle snbstituirten. Jener dritte Zustand jedoch, den wir oben den faktischen Krankheitszustand nannten, das; nämlich obne Veränderung der Gemeindeverfassung selbst, doch die Glieder der Gemeinde, also die eigentliche Gemeinde, ibren eigenen Angelegenbeiren sich gleichgültig entziehen und deren Handhabung fast ausschliesiticb einigen Männern, in neuerer Zeit sogar, freilich in bockst seltenen Fallen, selbst dafür bezahlten Männern als eine Bürde überlassen, von welcher frei zu bleiben ein Zeder froh sich rübmt — dieser Zustand ist allerdings ein solcher, den die mit jedem wabrbast lebendig seine Functionen übenden Organismus fast unvermeidlich verbundenen momentanen Uebelstände, oft unvermerkt erzeugen, und dessen Svmptomc wohl im Auge zu behalten einem jeden Gemeindewcsen um so mehr Verpflichtung ist, je lebendiger sich noch bei ihm die Lebensfunrtionen entwickeln. Stiller ist's nämlich, auch ruhiger freilich, und scheinbar anständiger, wo — kein Gemeindeglied, wie man spricht, drein zu reden hat, wo die wichtigsten Angelegenheiten zwischen einem Paar Männern, von einem Collegium, mit einem Paar Federstrichen erledigt werden — still ist's auch auf dem Todtenacker, ruhig im Leichenhanse, Leichen streiten nicht, nicht einmal der Puls schlägt mehr, wenn der Mensch verstorben, und schon die Ohnmacht ist ein Bild der Ruhe -- wie des Todes! Wo aber die Seele des Ganzen noch die letzte Haarwurzel <5 belebt und nährt, wo zum Herzen und vom Herzen das Blut von allen Adern und zu allen Adern strömt, wo die böcbste Seelenthätigkeit sich nur durch oas Zusammenwirken des Gesammtorganismus vollendet, da ist jeder Moment, da ist jedes Lebenstheilchen selbst nur die Frucht eines „nehmenden" und „gebenden" Kampfes, da spannen sich die Nerven, da zucken die Muskeln, da schlagen - die Pul>e, da athmct die Brust, da agiren und reagiren alle Kräfte ,und Säfte, und das'Produkt des Ganzen ist — Leben. So auch in der lebendigen Gemeinde, so vor Allem, wenn es die Erzeugung, Bestimmung eines bedeutenden Momentes, die Aeußerung einer bedeutenden Lebensfunction in dem Organismus

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