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Jeschurun · 1854-11-01 · Heft 2 (November 1854) · p. Seite 71

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1854-1855)
Issue
Heft 2 (November 1854)
Article
Die jüdischen Ceremonialgesetze
Date
1854-11-01
Page
Seite 71 (sequence 2)
Language
German
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Die jüdischen Ceremonkalgesetze. 71 als „Ceremvnialgesetz" im Winkel, und hohnlachend zieht die Schaar der Jugend vorüber. Wir aber wollen dieses Spektrum der Neuzeit anzuredcn wagen, vielleicht steht es Rede über seinen Namen und seine Berechtigung, vielleicht gelingt es, diesen Spuk aus den Kreisen der Lebendigen zu bannen. In dem ganzen Wörterbuch unserer Sprache giebt's vielleicht kein Wort, das also gleichzeitig das äußerlich Feierliche und zugleich innerlich Hohle einer Handlung zu bezeichnen vermag, als Ccremonie. Eine Zeremonie nicht mit zu machen, gegen ein Cercmvniell zu verstoßen, kann nie ein Verbrechen sein, ist höchstens ein Verstoß gegen den Anstand. Und dieses hohlste, larestc, nebelhafteste Wort wagte manmit „Gesetz," mit dem ernstesten, festesten, unverbrüchlichsten Maßstab für menschliche Handlungen, mit Gottes gesehen, mit Gesetzen Gottes, des allmächtigen, allweisen, allgütigen, allgerechtcn Herrn und Vaters der Menschen zu verbinden! Mit Gesetzen Gottes; denn wäre auch das nur Cercmonie, spräche man vom Gesetze Gottes nur noch deS Anstandes wegen, um schwache Gemüther nicht zu verletzen, um den äußern Schein zu retten, dann — verlohnte cs sich überall nicht mehr die Mühe davon zu reden. Also, gewisse Gesetze des Judenthums, deren göttliche Offenbarung man nicht leugnete, nannte man Ceremonialgesctze, und nachdem man sie Ceremonialgesctze genannt, nachdem man die Gemüther gewöhnt hatte, sie als Ceremonialgesctze zu denken, war's ja die natürlichste Conscguenz zu lehren: mit Ceremonialgesetzen braucht man — nicht viel Cercmonie zu machen! Ccremonien macht man mit, so lange sic Nicht lästig, so lange sie Zusagen, so lange man sie für anständig hält, so lange cs gefällt. Die Verletzung einer Cercmonie ist kein Verbrechen. Für Ceremonicn braucht man keine Opfer zu bringen, braucht man keinen Dorthcil, keinen Genuß, keine Bequemlichkeit zu opfern. Das kleinste Opfer wäre eine Lhorheit. Und diese Conscguenz entspricht so sehr dem gesunden Menschenverstand, daß man sie nicht einmal zu lehren brauchte. Man hatte nur das Wort „Ceremontalgesetz" zu lehren, so trug Zeder von selbst die Berechtigung im Busen, sich nach Belieben DiöpenS zu ertheilen.

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