Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 2 (November 1854)
- Article
- Die jüdischen Ceremonialgesetze
- Date
- 1854-11-01
- Page
- Seite 70 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Einen Kranz Immergrün müßten die Söhne und Töchter der Zeit auf das Grab des Manneö pflanzen, der zuerst das Wort „Ceremonialgesetz" im jüdischen Kreise ausgesprochen! Sein Name müßte blühen, so lange Jünglinge und Jungfrauen, Männer und Frauen die heiligsten Wichsten verletzen, ohne daß auch nur der Schatten eines Skrupels die Ruhe ihres Gewissens störe; sein Name müßte blühen, so lange der Leichtsinn eines Talismans zu seiner Beruhigung, eines Schutzwortes zu seiner Rechtfertigung bedarf. Denn mit diesem Worte hat er unbewußt Speer und Schild, Helm und Panzer der jungen Weisheit geschmiedet. „Ccremonialgcsetz" ist daS Zauberwort geworden, das die Häuser umwandclt, die Ehen umwandest, die Erziehung umwandest, die Synagogen umwandclt, die Schulen umwandclt, Eeremonialgesetz der Unkenruf, mit dem man daS Lebenskräftigste ins Reich der Schatten wies. Was Jahrtausende herab ein ganzes Volk siegreich durch alle Stürme getragen, — man hat daS Wort „Cercmonialgesetz" darüber ausgesprochen, und es fliehet beschämt in die Nacht der Vergessenheit. Wofür Jahrtausende herab ein Volk Alles, was Menschen nur theucr ist, geopfert, wofür die Väter Gut und Blut, Glück und- Ehre hingegcben, wofür sic im Kerker geschmachtet, wofür sie Scheiterhaufen bestiegen, — mit dem Stigma „Cercmonialgcsetz" gcbrandmarkt, liegt cö wcrthloö im Staube der Trümmer. Was Jahrtausende herab die edelsten Geister beschäftigt, die edelsten Herzen entflammt, worüber Jahrtausende herab die erleuchtetsten Geister gedacht, was Jahrtausende herab die Gcistes- und Herzensnahrung eines ganzen Volkes gewesen, — verachtet steht's